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Schmelzwasser aus den Anden, kühlende Winde vom Pazifik, Regenfälle vorwiegend in den Wintermonaten: Im mediterranen Klima um Chiles Hauptstadt Santiago herrschen günstige Voraussetzungen für den Weinbau. Es ist allerdings wenig bekannt, dass Chile ein Land mit einer langen Weinbautradition ist. So setzten bereits die spanischen Conquistadores und die sie begleitenden Missionare Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Rebstöcke und trieben Handel. Die Geschichte erzählt, dass im Jahre 1578 Francis Drake, der wohl berühmteste Seefahrer des Elisabethanischen Zeitalters und ein erbitterter Gegner Spaniens, ein Schiff kaperte, das bereits Wein von Chile nach Peru exportierte. Die damals kultivierte Traubensorte País besetzt auch heute noch über einen Viertel der Rebfläche, und sie dient zur Erzeugung einfacher, rustikaler Rotweine für den Inlandmarkt.
Im vorletzten Jahrhundert gelang es dem unternehmungslustigen Franzosen Claude Gay, die chilenische Regierung zur Gründung einer landwirtschaftlichen Ver-suchsanstalt zu überreden, was sich in der Folge als grosser Glücksfall erweisen sollte. Die Versuchsanstalt führte nämlich noch vor dem Auftreten der alles verheerenden Reblaus gesunde europäische Reben ein. Aufgrund der isolierten Lage Chiles – im Süden die Arktis, im Norden die Atacama-Wüste und im Osten die Andenkette – ist das Land bis heute von diesem Rebschädling verschont geblieben und die Rebbehandlung kann darum auf ein Minimum beschränkt werden.
Im Jahre 1990 kauften die zwei Bordeaux-Spezialisten Bruno Prats, ehemaliger Besitzer von Château Cos d’Estournel, und Paul Pontallier, Direktor von Château Margaux, am Fuss der Andenkette und vor den Toren der chilenischen Hauptstadt Santiago 18 Hektaren Rebland und gründeten dort das Weingut Viña Aquitania. Der Dritte im Bunde war der angesehene chilenische Önologe Felipe de Solminihac. Bevor sie sich für diesen Ort entschieden, untersuchten sie während sechs Jahren die verschiedenen Anbauregionen Chiles. Aquitanias Rebland befindet sich auf stark kieselsteinhaltigem Lössboden. Es handelt sich durchwegs um Hanglagen auf einer Höhe von 675–721 m ü. M. im Maipo-Tal, der klimatisch besten Weinbauzone Chiles (warme Tagestemperaturen um ca. 30°C und kühle Nächte, was den Weinen ihre Eleganz bewahrt, kein Regen während der Reifephase und der Ernte). Die vergleichsweise hohe Pflanzdichte sorgt in Verbindung mit den kargen Böden für eine natürliche Reduktion der Erträge auf 50 hl/ha. 15 Hektaren sind mit der seit langem dort heimischen Cabernet-Sauvignon-Traube bepflanzt, 2 ha mit Merlot und 1 ha mit Carmenère, einer alten Médoc-Rebsorte, die in Chile noch anzutreffen ist.
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