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Jahrgangsbericht 2009

 

Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (517KB)

 

Bordeaux | Burgund 

 

Bordeaux - 2009 auch im Bordelais ein ideales Weinjahr

Die für die Rebe wichtigsten Vegetationsstadien profitierten von optimalen Wetterbedingungen: die Blütezeit Ende Mai/Anfang Juni, anschliessend die regelmässige Fruchtbildung, dann der Farbumschlag der Traubenbeeren im Juli/August, schliesslich das vollständige Ausreifen der Trauben und die Erntezeit. Obschon Temperaturexzesse ausblieben, bereitete den Winzern die sommerliche Trockenheit im Juli und August Sorge. Hoch willkommen waren deshalb die Niederschläge von Mitte September. Die kühlen Nachttemperaturen während der Erntezeit erlaubten ein harmonisches Ausreifen und eine gute Aromabildung; und das schöne Wetter während der Lese liess keine Hektik aufkommen. Bei den Cabernets (Sauvignon und Franc) erreichten die Gerbstoffe eine volle Reife, bevor der Zuckergehalt in den Beeren zu stark anstieg. Die Cabernets bilden, soweit vorhanden, in den besten Assemblagen die Basis. Beim früher reifenden Merlot galt es gut aufzupassen, damit der Zuckergehalt nicht über die erwünschte Gradation hinausschoss. Trotz günstigen Klimabedingungen spielte der optimale Lesezeitpunkt offensichtlich eine Rolle. Bei zu früher Ernte waren die Gerbstoffe noch nicht reif (herb-krautige Weine), wartete man zulange, resultierte ein zu hoher Alkoholgehalt (Ton von Überreife und gekochten Früchten).

Unsere erste Bilanz ergibt folgendes Bild: dank optimal ausgereiftem Cabernet-Sauvignon finden sich im Haut-Médoc und Médoc viele beeindruckende Reüssiten. Die Jungweine haben frische Aromen, Kraft und eine angenehme sucrosité, eine Art molliger Schmelz. Der hohe Tanningehalt ist mit dem Alkohol im (perfekten) Gleichgewicht. Ausserordentlich gut zu gefallen vermochten die roten Gewächse aus Pessac-Léognan: ausdrucksstark, mit viel Potential und langem, frischem Finale. In Saint- Emilion und Pomerol, wo der Merlot dominiert, steht die Frucht im Vordergrund, ergänzt mit Wärme und Grosszügigkeit am Gaumen und einem passenden Tanningerüst. Und wenn angepflanzt, verleiht der Cabernet Franc eine zusätzliche Frische. Dasselbe gilt für die Côtes de Castillon. Aber auch andere Appellationen wie Fronsac, Côtes de Bourg und Côtes de Blaye oder Premières Côtes de Bordeaux präsentieren vorzügliche Muster. Hier finden sich attraktive, mit Frucht und Körper, Rückgrat und Länge ausgestattete Gewächse. Im Verhältnis zu allen Inhaltsstoffen ist die Säure tendenziell eher knapp bemessen, doch dürfte sich dies auf den Genuss nicht negativ auswirken.

Auch die trockenen Weissweine und die Süssweine profitierten von optimalen Bedingungen und präsentieren sehr gute Qualitäten. Die tieferen Säurewerte werden dazu führen, dass die trockenen Gewächse eher jung zu trinken sind. Die Sauternes, mit ihrer barocken Fülle, werden all jenen gefallen, die opulente vins liquoreux lieben. Im allgemeinen liegen die Erträge im Durchschnitt. Ausnahmen bilden die Rebgüter, speziell in Saint-Emilion, die im Frühjahr von schweren Hagelgewittern heimgesucht worden sind.

 

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Burgund - eindrückliche 9er-Reihe

1949 – 1959 – 1969 – 1989 – 1999 – das ist die eindrückliche 9er-Reihe mit famosen Burgunder-Jahrgängen. Und nun reiht sich eine weitere Perle an diese glänzende Kette: der grossartige 2009er.

Selten gab es während den jährlichen Besuchen bei unseren Winzern so entspannte Gesichter wie in diesem April. Noch vor ein paar Monaten waren ihnen die Strapazen und Sorgen mit dem 08er anzusehen. Nicht verwunderlich, denn in manchen Jahren gilt es, unendlich viele risikoreiche Entscheidungen zu fällen und einen enormen Arbeitsanfall zu bewältigen. Dank eines solchen Engagements kann man dann letztlich zwar einen soliden und guten Wein keltern, oft aber lagert im Keller lediglich eine mengenmässig unterdurchschnittliche Ernte.

2009 hat nun aber die Natur dem Menschen (fast) alles abgenommen und sämtliche Teile fügten sich wie von selbst zu einem gelungenen Ganzen zusammen. Obschon die Winzer mit den Launen der Natur umzugehen wissen, sind sie für derart günstige Bedingungen dankbar. Die propriétaires freuen sich deshalb nicht nur über die hervorragende Güte sondern auch über den schönen Ertrag beim jüngsten Spross.

Von einem nervenschonenden Witterungsverlauf sprach der joviale Laurent Juillot aus Mercurey. Gleich einem Steigerungslauf folgte einem sehr kalten und langen Winter ein angenehm warmes Frühjahr mit den eben notwendigen Niederschlägen, aber ohne übermässig heisse Perioden. Doch ganz ohne Unfall verlief das Jahr 2009 nicht: im April und Mai zogen zwei Hagelzüge über die grand cru-Lagen Clos de la Roche und Mazoyères-Chambertin und dezimierten den Ertrag. Zu Beginn der Blüte im Juni installierte sich dann ein stabiles Hoch und innerhalb einer Woche blühten die Reben sowohl in früh als auch in spät reifenden Parzellen. Ein erster Indikator für eine homogene Reifeentwicklung der Trauben war somit gegeben. Im Juli lösten sich kühlere und wärmere Perioden ab, ohne dass Krankheiten oder Reifeverzögerungen den Winzern ernsthaft Sorgen bereiteten. Sonne und viel Wärme prägten ab August bis weit nach der Lese im September das Bild. Diese stabile und gut zweimonatige Schönwetterperiode bescherte den Winzern eine sorgenfreie Ernte. Die optimale Reife konnte in jeder Reblage in aller Ruhe abgewartet werden.

Grosse Aufmerksamkeit war allerdings beim Chardonnay geboten. Der ideale Lesezeitpunkt durfte wegen dem raschen Säureabbau im September nicht verpasst werden.

Heute reifen die 09er im Eichen-Barrique heran. Der biologische Säureabbau ist bei den meisten Weinen abgeschlossen, und wir degustierten im April bereits fertige Jungweine. Sie überzeugen mit herrlich reiner und frischer Pinot-Frucht, sind zugänglich, tief, vollmundig und haben ein geschliffenes, feines Tannin. Analysiert man die Laborwerte, bemerkt man eine Konzentration an Extrakt- und Gerbstoffen, die auch in früheren Spitzenjahren kaum je erreicht wurde. Dies alles bestätigt, dass 2009 zu den herausragenden Jahrgängen zählt. Sowohl die Gemeindeweine als auch die grands crus werden bereits im jugendlichen Alter viel Genuss bereiten und dabei gleichzeitig eine gute Lagerfähigkeit aufweisen.

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