Reichmuth AG Weine Logo
Header
Über uns Sortiment / Shop Weinkultur Club Services Kontakt

Jahrgangsbericht 2008

 

Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (517KB)

 

Bordeaux | Burgund | Languedoc-Roussillon/Rhône | Spanien/Portugal | Italien

 

Bordeaux - Gelungene Ernte eines schwierigen Jahres
Gewisse Bordeaux-Jahrgänge zeigen von den Klimabedingungen und der Vegetationsentwicklung her deutliche Merkmale und sind deshalb leicht zu beschreiben. Das Erscheinungsbild der präsentierten Weine ist einleuchtend und kommentierbar. Anspruchsvoller ist es in einem Jahr wie 2008, dessen Charakter schwieriger zu erfassen ist, weil vieles (Niederschläge, Sonnenstunden, Temperaturen) durchschnittlich blieb und hervorstechende Merkmale fehlen. Eine kompetente Beurteilung setzt eine jahrzehntelange Erfahrung, einen Blick fürs unscheinbare Detail und ein zuverlässiges Informationsnetz voraus. Aber auch wenn all das zutrifft, können zu diesem frühen Zeitpunkt – die Trauben wurden erst vor rund sechs Monaten eingebracht – höchstens die Faktoren analysiert und interpretiert werden, die zu einem bestimmten Resultat führten. Für eine präzise Beurteilung der Weine selbst ist es noch zu früh.

Allgemeine Beurteilung
Von den klimatischen Bedingungen her bestehen zwischen den zwei Jahrgängen 2007 und 2008 einigeParallelen. Der Monat Mai war jeweils regnerisch und wie auch der Juni zu kühl, im sehr trockenen Juli ging es temperaturmässig im gleichen Stil weiter, es folgte ein feuchter August mit wenig Sonnenschein und eine verregnete erste Septemberhälfte. Dann wurde es schön und so blieb es bis zum Abschluss der späten Lese Ende Oktober. Trotz dieser Gemeinsamkeit in den beiden Folgejahren, war die Vegetationsentwicklung im Rebberg komplett unterschiedlich.

«Eile mit Weile» schien der Leitspruch der Rebe im Jahr 2008 zu sein. Die Knospenbildung geschah gemächlich, keine Spur von einem explosionsartigen Austrieb. Auch für das Blattwachstum und die Blüte nahm sie sich Zeit. Und trotz Frost im April, ausgiebigen Niederschlägen im Mai sowie kühlem Sommer verlief der Vegetations- und Reifezyklus stetig, wenn auch langsam. Der kühle, aber trockene und sonnige Juli förderte die Gerbstoffbildung und bereitete die Trauben optimal auf die letzte Reifephase und die véraison (Verfärbung der Beeren) vor. Das schlechte Wetter im August mit seinen täglichen Regenfällen weckte schlimmste Befürchtungen, ein Verlust der gesamten Ernte wurde nicht ausgeschlossen. Der ausgetrocknete Boden absorbierte jedoch die Niederschläge und verhinderte so die Fäulnisbildung. Letztlich wurde ein kleiner Ertrag und gesundes Traubengut eingebracht.

Reife-Unterschiede, Mehltau und Ertragseinbussen
Ein Merkmal der Bordeaux 2008, das ihre Beurteilung zusätzlich erschwert, ist die Heterogenität, so dass weder die Traubensorte noch die Region einen Hinweis auf gutes oder schlechtes Gelingen geben. Ein erster Grund dafür ist der unregelmässige Austrieb der Rebe im März, der – oft sogar innerhalb des gleichen Rebberges - mit einer beträchtlichen zeitlichen Verzögerung von bis zu 14 Tagen und mehr erfolgte.

Neben dem Problem der unterschiedlichen Ausreifung hatte das auch Auswirkung auf den Ertrag, denn der Frost vom 6. April verursachte vor allem dort Schäden, wo die zarten Knospen eben erst aufgebrochen waren (vor allem in den Weissweinregionen von Sauternes, Graves und Entre-deux-Mers). Das feucht-warme Klima im Mai begünstigte die Bildung von falschem Mehltau, eine Blattkrankheit die bereits im Vorjahr zu schaffen machte. Dieses Jahr waren die Winzer gewarnt und setzten rechtzeitig und häufig die kupferhaltige bouillie bordelaise ein. So gelang es, dieses Problem zu meistern, das dank des Sonnenscheins im Juli von alleine verschwand.

Niederschläge zu Beginn der Blütezeit Ende Mai/Anfang Juni beeinträchtigten vor allem die Merlot-Reblagen am rechten Ufer (Saint-Emilion und Pomerol) sowie die weissen Rebsorten Sauvignon und Sémillon, die stark verrieselten, was den Ertrag nochmals reduzierte. Das sehr trockene und sonnige Juli-Wetter ohne Hitze-Exzesse liess die Hoffnung auf einen grossen Jahrgang aufkeimen. Leider machten die Niederschläge und die relativ niederen Temperaturen im August und Anfang September einen Strich durch die Rechnung. Die Verfärbung der Trauben ging nur zögerlich vonstatten. Nun war klar, dass es zu einer sehr späten, schwierigen Lese kommen würde. Wenn überhaupt, denn nun füllten sich die Beeren mit Wasser und es drohte Fäulnis.

Rettung in letzter Minute
Am Wochenende des 13. September änderte das Wetter radikal. Ein stabiles Hoch über Skandinavien brachte den Sommer zurück mit angenehm warmen Tagestemperaturen, kühlen Nächten und trockenen Winden. So blieb es – von wenigen Regenfällen abgesehen – praktisch bis Ende Oktober. Die im Juli noch kerngesunden Trauben hatten genügend Zeit, sich von den schwierigen August-Bedingungen zu erholen, es kam zu einer Konzentration des Saftes am Rebstock selbst. In den frühreifen Reblagen in Pomerol und Pessac-Léognan begann die Lese in der letzten Septemberwoche, der Hauptharst wartete jedoch zu und erntete ab dem 6. bis zum 27. Oktober.

Erste Beurteilung
Die trockenen Weissweine präsentieren sich mit viel Frische und einer guten Säure. Die guten Rotweine überraschen teilweise sogar die Produzenten selbst. Die Unterschiede jedoch sind enorm, und gutes Gelingen war nur möglich bei vollem und kostspieligem Einsatz im Rebberg. Währenddem die Merlot-Traube vor allem von den vorteilhaften Bedingungen im Juli profitierte, war für die Cabernets der goldene Herbst entscheidend. Aber auch das ist keine Regel und es gilt, jedes Gewächs einzeln unter die Lupe zu nehmen. Bei der Lese beeindruckten der gute Zuckergehalt, die dichte Farbe und der Aromenreichtum. Gute Sauternes dürften in erster Linie mit Ausgewogenheit und Finesse glänzen.

Die ewige Frage, welchem früheren Jahrgang der 2008er denn nun am nächsten kommt, ist schwierig zu beantworten, vor allem in diesem frühen Stadium. Paul Pontallier, Direktor von Château Margaux, sieht ihn vom Stil her zwischen 2004 und 2006, allerdings nicht so gross wie 2006. Er stuft ihn auf hohem Niveau als sehr guten, wenn auch nicht als grossen Jahrgang ein. Für ihn war die Trockenheit im Juni/Juli der entscheidende Faktor für das Gelingen des 2008ers.

 

 

» Zum Seitenanfang


Burgund - «Une année spectaculaire»
Das Rebjahr im Burgund begann mit einem milden, sonnigen und sehr trockenen Winter bevor in den kalten und regenreichen Monaten März und April die Kehrtwende kam. Mai und Juni lagen in jeder Beziehung wieder in der Norm, und von Juli bis Oktober war es eher zu kühl und sehr wechselhaft. Anfang April begann sich die Rebe zaghaft zu regen. Ende des Monats dann explodierte die Vegetation regelrecht. Ein rund 10-tägiger Rückstand im Wachstum wurde grösstenteils aufgeholt. Während der Blütezeit im Juni beeinträchtigten einige Gewitter den optimalen Verlauf dieser Phase. Die Folge war ein recht bedeutendes Verrieseln. Ähnlich wie im Bordelais war das Wetter im August nicht sehr erfreulich. Die Reifeentwicklung verzögerte sich, und der Farbumschlag war erst Anfang September beendet. Ab dem 11. September war die Sonne wieder mit von der Partie. Der aufkommende Nordwind trocknete die Reben, liess vereinzelt auftretende Fäulnisherde gesunden und die Trauben zur vollen Reife gelangen. Die Erntearbeiten begannen um den 24. September herum und dauerten rund 14 Tage.

Trotz optimaler Bedingungen während der Lesezeit musste am Sortiertisch sorgfältig und aufmerksam gearbeitet werden, um nur perfekt ausgereifte Trauben zu verarbeiten. Der Ertrag wurde dadurch zwar reduziert, die Qualität darf sich aber sehen lassen. Der Pinot-Noir zieht kühle Temperaturen während des Rebjahres der Hitze vor, weil er dabei seinen köstlichen Aromenreichtum besser bewahrt. Für Etienne Grivot ist 2008 une année spectaculaire, mit Weinen von fester Purpurfarbe, am Gaumen dicht, ausgewogen und geschmeidigem Tannin. Und Laurent Juillot schwärmt von der leuchtenden, grüngoldenen Farbe seiner Chardonnays und der köstlichen Frucht.

 

» Zum Seitenanfang


Languedoc-Roussillon & Rhône-Tal - Ausgewogenheit und Aromatik
Auch hier waren die Wetterbedingungen des Jahres 2008 nicht ideal, das Wetter zu kühle, was Olivier Jullien von der Mas Jullien zum Ausspruch veranlasste: «Wir erleben das Gegenteil der Erderwärmung.» Die Folge dieser tieferen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit war ein noch nie gesehener Druck der Blattkrankheit Falscher Mehltau. Michel Urbain, Verwalter unseres eigenen Rebgutes Mas de Theyron war froh, dass sich die Reblagen in unmittelbarer Umgebung befinden, denn nur dank eines täglichen Kontrollganges und eines sofortigen Eingreifens konnten grössere Schäden und Ertragseinbussen verhindert werden. Mehr Probleme hatten jene Winzer, deren Weinberge weit verstreut sind. Auch die Bodenbearbeitung hielt die Winzer auf Trab. Ab Mitte Juli beruhigte sich die Situation. Bis zur Erntezeit, die je nach Region und Höhenlage zwischen Anfang September bis Mitte Oktober dauerte, vermochten die Trauben gut auszureifen. 2008 brachte einen kleinen Ertrag und ist ein faszinierender Jahrgang mit ausgewogenen Weinen voller ausdrucksstarker Aromatik.

Im Rhônetal waren die Wetterbedingungen ebenfalls nicht befriedigend. Die Blütezeit verlief zwar sehr gut, doch wollten sich im Sommer keine idealen Bedingungen einstellen. Dank sorgfältiger Auswahl der guten Parzellen gelang es, einen Wein zu erzeugen, der wohl nicht die Konzentration der Vorjahre erreicht, der aber durch Finesse, Frucht und Charme besticht.

 

» Zum Seitenanfang


Spanien/Portugal - Ein kühler Sommer
Kühlere Temperaturen als gewöhnlich herrschten sowohl im Penèdes als auch in der Rioja das ganze Jahr hindurch. Teilweise ergiebige Niederschläge in der ersten Vegetationsphase bis hin zur Blüte dämpften die Ertragsaussichten. In der Rioja Alta, dem Herkunftsgebiet der Trauben für Marqués de Cáceres mass man im Monat Mai die höchste Regenmenge seit 60 Jahren. Von Vorteil sind gute Wasserreserven für die Hitzephasen im Sommer, doch fiel auch diese 2008 unterdurchschnittlich aus. Zusammen führten die klimatischen Bedingungen zu einer vergleichsweise späten Ernte sowohl bei den Weissweinen als auch bei allen roten Sorten. Kaum Regen trübte die Weinlese in den Gebieten der Rioja, Toro und Ribeira del Duero, und die weiterhin kühlen Nachttemperaturen liessen die Trauben gesund am Stock ausreifen. Die eingebrachte Ernte ist leicht unter dem langjährigen Mittelwert und dank der langen Vegetation von solider Qualität. Im Süden Spaniens - in Jerez - ist man mit dem Jahrgang richtig glücklich, denn es gab für einmal genügend Regen im Frühling und kaum Wetterkapriolen wie im Norden des Landes. Die Grundweine versprechen ausrucksstarke Sherries.

Wenn der Wetterfrosch sich irrt
«Am 15. Oktober ernteten wir die letzten Trauben und am 16. begann es nach fast einem Monat erstmals wieder zu regnen», heisst es bei Warre's. Aufgrund der kühlen Sommermonate im portugisischen Teil des Dourotals fand die Ernte ebenfalls später als in den Vorjahren statt. Schlechte Wetterprognosen deuteten auf eine komplizierte Ernte hin, doch der angekündigte Regen kam nicht. Stattdessen schien die Sonne und ermöglichte wider Erwarten eine problemlose Ernte. Die Weine sind vielversprechend, es ist aber eher unwahrscheinlich, dass nach dem grossartigen 2007 auch 2008 zu einem Vintage-Jahrgang deklariert werden wird.

 

» Zum Seitenanfang


Italien - So wenig Wein wie selten zuvor
Es scheint schwieriger denn je, l’annata vinicola 2008 in wenigen Zeilen zusammenzufassen. Unsere Arbeit besteht darin aus rund zwanzig Berichten von italienischen Winzern, die wir seit Jahren persönlich kennen, einen aussagekräftigen Bericht zu verfassen. Doch nach dem Durchlesen und dem telefonischen Rückfragen verfügten wir über zwanzig Versionen derselben Geschichte, welche die Natur schrieb – und über ebenso viele Möglichkeiten, daraus auf die Qualität der Weine zu schliessen. Weshalb diese Unterschiede?

Der wesentliche Grund liegt im deutlich zu feuchten Wetter zwischen Mai und Juni im Norden und in Mittelitalien. Pilzkrankheiten wie echter und falscher Mehltau nisteten sich ein, blieben hartnäckig auf den Trauben zurück und stellten die Winzer vor grosse Probleme. Im Piemont regnete es im Juni, in einer Phase des starken Wachstums der Reben, fast täglich! Pflanzenschutzmittel erfüllten ihre Aufgabe nicht, weil der Regen die aktiven Substanzen wieder abspülte. Damit hatte die Phase der Blüte bereits eine natürliche Reduktion der Erntemenge herbeigeführt. Am schlimmsten traf es das Piemont und das Veneto, weniger betroffen war die Toscana – und im Süden wäre man um mehr Wasser sogar froh gewesen. Ende Juni beruhigte sich die Situation für die Winzer, doch der Schaden war bereits beträchtlich – je nach Gemeinde, Parzelle oder Sorte mehr oder weniger ausgeprägt. Immerhin konnte auf das Herausschneiden überzähliger Triebe zur Ertragsbegrenzung verzichtet werden.

Das Klima bis hin zur Ernte ist schnell zusammengefasst: ausreichend Sonne, starkes Tag- und Nachttemperaturgefälle im Herbst und einzelne erwünschte Niederschläge um feragosto hellten die Gesichter der Winzer wieder auf. Nach einigen Jahren mit frühen Ernten, ein Trend, der auch in Italien auffällt, kehrte man 2008 zur Normalität zurück. Die schwierigen Monaten Mai und Juni hinterliessen auf diese Weise ihre Spuren.

So heterogen wie die Jahrgangsberichte der Winzer, so unterschiedlich sind auch die Resultate der 2008er-Gewächse. Tendenziell sind die Abfüllungen aus dem Süden problemlos zu geniessen, im Norden dürften vornehmlich die langlebigen Gewächse aus der Nebbiolo-Trauben nicht zu den grossen Reüssiten des Jahrgangs zählen. Die berühmten Sangiovese-Weine aus der Toscana wie Brunello, Chianti und Vino Nobile ergaben bei den aufmerksamen Winzern vielversprechende Resultate mit gutem Potenzial für eine lange Lagerung. Positive Überraschungen, aber auch Enttäuschungen, werden wir mit dem jüngsten Jahrgang sicherlich immer wieder erleben.

 

» Zum Seitenanfang

Zuklappen Basket
Folgende Artikel befinden sich in Ihrem Warenkorb:


Anzahl Flaschen: 0
Zwischentotal: SFr. 0.00

Warenkorb / Kasse

Gratis-Lieferung ab 36 75cl-Flaschen oder einem Netto-Warenwert von SFr. 550.00