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Jahrgangsbericht 2007

 

Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (248KB)

 

Bordeaux | Burgund | Languedoc-Roussillon/Rhône | Spanien/Portugal | Italien

 

Bordeaux - Weissweine: hervorragend; Rotweine: unterschiedlich
Die Jahrgänge mit der Ziffer 7 am Schluss stehen im Bordelais oft unter einem schlechten Stern. 1907, 1917, 1927 und 1937 brachten höchst bescheidene Resultate. Das heisse Jahr 1947 bildete die Ausnahme. Damals führte der hohe Zuckergehalt da und dort zu Problemen mit flüchtiger Säure beim Gärprozess. Gut vinifizierte Gewächse jedoch waren hervorragend. 1957, 1967 und 1977 vermochten nicht zu überzeugen. Die 1987er waren anständig und reiften schnell; gut, aber ebenfalls nicht gross die 1997er, die in der Regel jetzt getrunken werden sollten.

Die umfassenderen Kenntnisse über die Vorgänge im Rebberg sowie die kontinuierlich weiter entwickelte Kellertechnik werden dafür verantwortlich sein, dass trotz der schwierigen Verhältnisse während des Rebjahres 2007 letztlich sehr ansprechende, gute Weine erzeugt wurden.

Dank hoher Temperaturen im April trieb die Rebe früh aus. Der Vorsprung in der Vegetationsentwicklung betrug am Ende des Monats drei Wochen. Ab Mai und bis in den August hinein regnete es häufig, im Durchschnitt an 15 Tagen pro Monat. Ein erster Teil der Traubenblüte verlief problemlos bis Ende Mai, dann verschlechterten sich die Bedingungen. Starke Temperaturschwankungen und Regen setzten den Reben zu. Die Trauben verrieselten (wegen mangelhafter Befruchtung fallen die Blüten ab) oder die Beeren blieben klein. Besonders betroffen davon waren die spät reifende Lagen und die Cabernets. Saint-Emilion und Pomerol sowie Pessac-Léognan hatten es besser.

Das feuchte Wetter bis in den August hinein war der Grund für alle möglichen Blatt- und Trauben-Krankheiten (Falscher und Echter Mehltau) sowie Schädlinge (Schnecken). Die Spritzmaschinen waren fast permanent unterwegs. Ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet drehte über dem Atlantik und brachte immer wieder Niederschläge, nur jeweils unterbrochen von kurzen sonnigen Phasen Ende Juli und in der ersten Augusthälfte.

Als Folge der unregelmässigen Blüte zog sich ab Mitte Juli auch die Verfärbung der Traubenbeeren (frz. véraison) in die Länge. Sie zeigt den Beginn der eigentlichen Traubenreife an und lässt Rückschlüsse auf das Lesedatum zu (in der Regel 45 Tage nach dem Farbumschlag). Die Winzer erwarteten schwierige Erntebedingungen mit Reifeunterschieden von Traube zu Traube. Zudem stieg nun auch die Fäulnisgefahr. Die Moral sank langsam aber sicher auf den Tiefstpunkt, und man war geneigt, den Jahrgang 2007 jetzt schon abzuschreiben.

Doch am 30. August wendete sich das Blatt. Ein willkommener Nordostwind trocknete in den darauffolgenden Tagen die Trauben ab und stoppte die Fäulnis. Das weiterhin unbeständige, aber mehrheitlich schöne Wetter liess jene propriétaires, die ihre Hausaufgaben im Rebberg gemacht hatten, das Erntedatum immer wieder hinausschieben. Emeric Petit von Château Tournefeuille in Lalande de Pomerol rechnete zuerst mit dem 10. September, dann dem 17. und begann schliesslich am 24. mit dem Merlot. Das trockene, aber kühle Wetter liess ihn so entscheiden. Überall wo erst Ende September und im Oktober gelesen wurde, profitierte die Rebe von einem langen und langsamen Vegetations- und Reifezyklus.

Rechnet man in der Regel mit 100 Tagen von der Blüte bis zur Ernte, waren es 2007 bis zu 130. Das begünstigt ein harmonisches Ausreifen auch der Gerbstoffe. Lokale Niederschläge Ende September und Anfang Oktober trübten das sich aufhellende Bild nochmals und liessen die Winzer die Erntearbeiten unterbrechen. Glücklicherweise waren die Niederschläge aber nur von kurzer Dauer. Mitte Oktober war auch der Grossteil der Cabernets im Keller.

Über alles gesehen sind sowohl die trockenen als auch die süssen Weissweine hervorragend gelungen. Die Kühle des Jahres bewahrte ihnen Frische, Frucht und Säure und die Feuchtigkeit förderte die Bildung der für die Sauternes so wichtigen Edelfäule. Bei den Rotweinen sind die Resultate heterogen. Der Jahrgangscharakter wird durch Frucht und Zugänglichkeit bestimmt. Ein Vergleich mit 1997 und 2002 ist nicht abwegig.

 

 

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Burgund - Weine mit Zukunft
Ähnlich wie im Bordeauxgebiet war das Wetter im Burgund. Auch hier gab es im ungewöhnlich warmen April einen frühen Austrieb, und die Rebe blühte im Mai, was – nach der 100-Tage-Regel – eine Ernte bereits ab Mitte August vorhersehen liess, früher noch als 2003!

Der kühle und regnerische Sommer bremste die Vegetationsentwicklung dann aber und trübte auch etwas die Aussichten. Denis Berthaut sagte uns: «Am 15. August gab man nicht mehr viel auf die Ernte. Die Reife rückte näher, der Gesundheitszustand der Reben verschlechterte sich, und es fehlte der Zucker.» Am 20. August brachte der Nordwind die Wende zum Guten.

Der Pinot Noir braucht nicht unbedingt Hitze um gut auszureifen. Tiefe Temperaturen erhalten ihm im Gegenteil die notwendige Frische und seine delikaten Aromen. Die Rebsorte ist allerdings in der letzten Reifephase nach dem Farbumschlag fäulnisanfällig. Etienne Grivot hat daher die Blätter auf Traubenhöhe und auf der Nordseite abgeschnitten, damit die Trauben jeweils schneller abtrockneten.

Die Rotweinernte begann in der Côte de Beaune in den letzten Augusttagen, in der Côte de Nuits Anfang September. Der Chardonnay wurde erst anschliessend gelesen. Ein Sortiertisch (table de tri) leistete dieses Jahr gute Dienste beim Ausscheiden von unreifen oder faulen Beeren.

Die Erträge beim Pinot Noir sind klein und bewegen sich – je nach Alter der Rebstöcke – zwischen 15 hl/ha (Armand Rousseau) und 30 hl/ha (Dominique Lafon). Beim Chardonnay liegen sie im Schnitt bei 50 hl/ha. Laurent Juillot ist überzeugt, dass die Weine dank dem  Gleichgewicht von Alkohol, Gerbstoff und Säure, verbunden mit der intensiven Frucht, eine vielversprechende Zukunft bevorsteht.

 

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Languedoc-Roussillon & Rhône-Tal - Viel Wind vertrieb den Regen
Grosse Teile der Weinregionen Südfrankreichs wurden 2007 vom Mistral oder der Tramontane «verwöhnt». Verwöhnt in Anführungszeichen, weil diese Winde ja nicht nur positive Seiten haben. Wenn sie heftig blasen, können Sie an den jungen Rebtrieben beträchtlichen Schaden verursachen und die Arbeiten im Rebberg erschweren. Zudem sind sie oft verantwortlich für das Austrocknen der Böden.

Dieses Jahr jedoch waren sie hochwillkommen, vertrieben sie doch die Wolken, die in weiten Teilen Frankreichs für häufigen Regen sorgten. Die Temperaturen allerdings erreichten nie ein wirklich sommerliches Niveau, was andererseits bestimmt auch viel zur Ausgewogenheit und Frische der Weine beigetragen hat.

Paul Avril vom Clos des Papes in Châteauneuf-du-Pape fasste das Rebjahr mit den Worten zusammen: «Nach einem milden, trockenen Winter konnten wir glücklicherweise von ergiebigen Niederschlägen am Ende des Frühlings profitieren. Diese erlaubten es den Reben, sich trotz des trockenen Sommers, stets unter guten Bedingungen zu entwickeln, bis hin zum Farbumschlag und dem Ausreifen. Der Gesundheitszustand der Trauben war zur Erntezeit sehr gut.»

Auf unserem eigenen Rebgut Mas de Theyron wurde die Weissweinparzelle am 30./31. August geerntet, mit den roten Sorten begannen wir am Montag, 3. September. Das Wetter war während 14 Tagen ideal: schön, mit leichtem Wind, morgens noch recht kühl und später angenehm warm. Wegen des Windes, der die Traubenbeeren quasi am Rebstock konzentrierte, lag der Ertrag 30 bis 40% unter demjenigen des Vorjahres. Das Resultat jedoch ist höchst erfreulich. Allein schon der intensive Frucht-Duft im Keller während der Vergärung war ein Genuss. Die Analysen bestätigten den positiven Eindruck.

 

 

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Spanien/Portugal - Von Durchschnitt bis Ideal
Aus der Rioja erreicht uns kein euphorischer Bericht. Der warme Winter wurde durch eine lange nasse Phase abgelöst. Die Vegetation kam nur zögerlich voran, und die Arbeit im Rebberg wurde durch die Nässe zusätzlich erschwert. Während der Blüte war es mehrheitlich kühl, und so war eine leichte Verrieselung nicht zu vermeiden. Lockerbeerig konnten die Trauben aber besser den Pilzkrankheiten trotzen und die Ertragsreduktion war so – auf natürliche Weise – auch schon geschehen. Trocken und mild waren dann die Sommermonate. Ausser den spätreifenden Lagen konnten sowohl Tempranillo als auch Garnacha und Graciano in schönster Reife geerntet werden. Regen und Stürme zum Ende der Ernte verhinderten aber den grossen Jahrgang. Dennoch ist Christine Forner nach dem bedenklichen ersten Halbjahr 2007 mehr als zufrieden, wagt aber noch keine Prognose, ob es zu einem Reserva-Jahrgang reicht.

Im Penedès zeigt sich Joan-Miquel Canals vom kleinen Familienweingut Canals Nadal sehr glücklich. Wenn in einem Buch die idealen Wetterbedingungen aufgeschrieben stünden, würde da mit Sicherheit der Jahrgang 2007 beschrieben, lautet seine positive Einschätzung. Genügend Regen im Winter, eine warme Periode während der Blüte sowie eine konstant trockene und milde Sommerzeit. Geerntet wurden zwar im Durchschnitt 5% weniger Trauben, doch heute zeigen diese Weine viel Frische, reichhaltige Aromapaletten und einen Körper mit Schmelz und Rasse.

Das Dourotal in Portugal erlebte Spannung und Dramatik pur, um am Schluss zu wissen, dass 2007 ein grosses Port-Jahr sein wird. Nach den sintflutartigen Oktober- und November-Niederschlägen im 2006 waren die Wasser-reservoirs randvoll gefüllt. Dominic Symington erinnerte sich jedenfalls noch nie, im Frühling und Sommer so viel Wasser in den Flüssen des Tals fliessen gesehen zu haben. Mit normalen Klimabedingungen startete das Kalenderjahr 2007. Die Monate Mai und Juni waren eher kühl und zwischendurch auch regnerisch. Der Vegetationsvorsprung des Frühjahres war aufgebraucht. Juli und August waren wiederum angenehm warm, aber ohne Hitzetage. Die Trauben waren dank den moderaten Temperaturen und genügend Wasser im Boden von homogener Grösse und mit hohen Polyphenolgehalten. Es brauchte aber den nahezu wolkenlosen September, damit die Zuckerwerte entscheidend anstiegen und die Tannine reif wurden. Geerntet wurde rund 10 Tage später als beim Austrieb vorhergesehen. Die Familie Symington mussten sogar die Reihenfolge der geernteten Sorten umstellen, doch dank dem Traumherbst verlief am Schluss alles «nach Mass». Vielversprechende Weine liegen jetzt in den Kellern der Portweinproduzenten, und man darf gespannt sein, ob 2007 als Vintage-Jahr deklariert wird.

 

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Italien - So wenig Wein wie selten zuvor
Dank milden und trockenen Wintermonaten trieben die jungen Knospen früh aus, der europaweit rekordwarme April brachte eine um mindestens 14 Tage verfrühte Blüte. Der Vegetationsvorsprung verringerte sich dann aber auf Grund der fehlende Feuchtigkeit bald wieder, die Reben litten. Das ausgeglichene Wetter in den Sommermonaten half dann wieder dem kontinuierlichen, stressfreien Wachstum. Einsetzender Regen im August stärkte die Trauben für die Reifephase, und vielerorts konnte jede Sorte im gewünschten Moment geerntet werden.

Mit 40,8 Millionen Hektoliter verzeichnet Italien die kleinste Ernte seit 60 Jahren. Man produziert derzeit deutlich weniger Wein als im Land selber konsumiert wird. Früher oder später wird dies die Preisentwicklung beeinflussen. Bislang sind jedoch nur geringe Aufschläge für Qualitätsweine angekündigt. Eine erstaunliche Zurückhaltung angesichts der weltweiten Preissteigerungen und der hervorragenden jüngsten Jahrgänge 2006 und 2007.

Toskana «Ein lagerfähiger Jahrgang» ist Orsola Beccari von der Fattoria Vignavecchia (Chianti) überzeugt, und das Consorzio in Montalcino hat dem Brunello bereits «cinque stelle», die Höchstnote von fünf Sternen vergeben. Die warmen aber nicht heissen Sommer-Temperaturen in der Toskana ergeben vollmundige und kräftige Weine mit zupackender Säure und einem markanten Tanningerüst.

Piemont Alessandro Cerretto von der gleichnamigen Kellerei meinte: «2007 konnte man sich ganz auf die Traubenreife konzentrieren und musste nicht ständig den Wetterbericht studieren.» Einzig der spät reifende Nebbiolo, die Rebsorte für Barolo und Barbaresco, ertrug die Trockenheit in der ersten Jahreshälfte weniger gut. Man äussert sich derzeit noch vorsichtig und möchte vor einer ersten definitiven Einschätzung die weitere Lagerung abwarten. Optimal sind hingegen der Barbera und die weissen Sorten, die bereits im September geerntet wurden.

Süditalien Auch der Süden, insbesondere der Norden Apuliens, litt unter den mangelnden Niederschlägen, doch die tiefen Wurzeln der alten Rebstöcke vermochten den wenigen wirklich heissen Tagen zu trotzen. Der Ertrag bei den Traubenlieferanten der Accademia dei Racemi sank auf 70% einer Normalernte.

Veneto «Von der Ernte 2007 zu erzählen tut weh!» Marinella Camerani von Corte Sant’Alda gehörte 2007 zu den Pechvögeln. Ein Hagelzug verwüstete am 30. August, nur ein paar Tage vor dem Erntebeginn, ihre besten Amarone-Lagen. Während in der Umgebung teils grosse Weine entstehen, wird es auf Corte Sant’Alda nicht einmal Amarone geben.

 

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