|
|

Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (437KB)
Der subjektive Qualitätsbegriff In der Produktion verstärkt sich heute die Tendenz zu einer standardisierten Weinbereitung, die mehr auf modernste oenologische Methoden setzt statt auf die unverwechselbaren Faktoren Herkunft und terroir. «Semper idem» – immer gleich, ist hier das Schlagwort, das dieses industrielle Weinangebot zu «alkoholhaltigen Getränken» degradiert, die vorwiegend in die Massenmärkte eingeschleust werden.
Das folgende Glied in der Kette sind die Anbieter. Unter dem Eindruck von Überproduktion und stagnierendem Markt übertreffen sie sich vor allem beim lauthalsen Anpreisen von grossen Abschlägen. Seinerzeit belächelte man den Billigen Jakob. Seine Jahrmarktstände haben inzwischen andere Dimensionen angenommen und tragen grosse Namensschilder. Dass er dadurch auch gediegener geworden wäre, kann man angesichts vieler schmuckloser Verkaufslokale kaum sagen. Kostensparende Askese dominiert, und das angenehme Einkaufserlebnis von einst wird zum nüchternen Beschaffungsprozess. Die Werbung allerdings versucht, ohne Scham, ein anderes Bild zu vermitteln und die zwei Extreme «höchste Qualität» und «tiefste Preise» in Einklang zu bringen. Der abstrakte Begriff «Qualität» ist immer mit Wertungen verbunden, objektiven und technisch messbaren, wenn es um die Beschaffenheit eines Erzeugnisses geht, vor allem aber mit subjektiven, emotionalen, wenn auch der damit verbundene Nutzen und die Dienstleistungen mit eingeschlossen sind. Jene Faktoren also, die zu tun haben mit Werten wie «Schönheit» und «Wohlbefinden», «Kenntnis» und «Genuss», «Kultur» und «Natur» – letztlich eben Lebensqualität.
Wenn Werbung nun Wert sogar für ein minderwertiges Produkt suggeriert, so verspricht sie das Blaue vom Himmel. Erstaunlicherweise hält sich kaum jemand darüber auf, falls die Erwartungen nicht erfüllt werden. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass viele Menschen nicht mehr wissen, wie und wo Lebensmittel (und damit auch Wein) erzeugt werden. Wäre das nicht ein weites und nützliches Betätigungsfeld für Elternhaus und Schule? Allgemein zu vermitteln wäre ebenso, woraus eine gesunde Ernährung, zu der durchaus auch der tägliche Schluck Wein gehören kann, überhaupt besteht.
Immer billiger und doch gleich gut? Der Preis ist ohne Zweifel ein wichtiger Aspekt beim Kaufentscheid. Beim Erwerb von Artikeln für den täglichen Gebrauch ist ein gesundes Preisbewusstsein daher angebracht. Gut möglich, dass sich in der Vergangenheit in unserem geschützten Schweizermarkt auf allen Handelsstufen ein allzu fettes Margenpolster gebildet hat, welches jetzt reduziert werden kann, ohne dass die Qualität des Produktes unmittelbar darunter leidet. Das ist freie Marktwirtschaft, die jedes Unternehmen zwingt, seine Kostenstruktur laufend zu überprüfen und – wo sinnvoll – zu rationalisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn aber im Rahmen der gegenwärtigen Billigwelle der Kostendruck beim Erzeuger so gross wird, dass Produktionsaufwand und Güte des Rohmaterials verringert werden müssen, leidet die Qualität. Das Schlagwort «Qualität hat ihren Preis» ist nach wie vor gültig. Alles haben wollen, aber nichts dafür bezahlen, verträgt sich nicht mit hohen Produktionskosten und hohen Ansprüchen. Die einseitige Ausrichtung auf den Preis führt ausserdem dazu, dass bezüglich Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie Tierschutz nur noch das gesetzlich vorgeschriebene Minimum erfüllt werden kann. Und last, but not least: sinkende Preise bewirken sinkende Löhne.
Qualitätsmindernde Entwicklungen beim Wein Rationalisieren ist bei der Produktion von gutem und natürlichem Wein nur beschränkt möglich. Vieles bleibt aufwendige Handarbeit, draussen im Rebberg, drinnen im Keller. Und auch wenn heute alles analysiert, zerlegt und gemessen wird, die gute und natürliche Weinbereitung ist hochkomplex, sie beruht auf Erfahrung und Intuition. Patentrezepte gibt es nicht, denn jeder Jahrgang ist anders als der vorangegangene. Problematisch beim Wein ist nun aber, dass das gesamte Angebot in der gleichen Kategorie läuft: die oben erwähnten industriellen Provenienzen ebenso wie die handgefertigten. Bedenklicherweise trägt der Gesetzgeber zu dieser Verwirrung der Konsumenten kräftig bei. Ulrich Sautter, promovierter Philosoph und Redaktor in Hamburg, schrieb dazu im Tages-Anzeiger vom 22. Dezember 2005 unter dem Titel «Die spektakuläre Überlistung der Natur»: «Das zwischen der EU und den USA abgeschlossene Handelsabkommen löst die philosophische Frage nach der Natürlichkeit des Weins aus ihrem theoretischen Kontext und verleiht ihr politische Brisanz.» Das erwähnte Abkommen erlaubt die Einfuhr von Weinen in die EU, die mit neuartigen, umstrittenen technischen Hilfsmitteln hergestellt wurden, und führt gemäss Sautter früher oder später dazu, dass die fraglichen Hilfsmittel auch für die Produktion europäischer Weine zugelassen werden. Auf Kritik stösst dabei vor allem jenes Verfahren, bei dem der Wein in seine Bestandteile Alkohol und Aromastoffe zerlegt und anschliessend in veränderter Proportion zusammengesetzt wird. Sautter vergleicht das Ergebnis mit einem Schnitzel aus Pressfleisch: «Die äussere Form gleicht dem, was man als Schnitzel (oder als Wein) kennt. Und auch die Grundbestandteile, aus denen das Produkt zusammengesetzt ist, stammen überwiegend aus dem jeweiligen biologischen Ausgangsmaterial: vom Schwein beziehungsweise aus Trauben.»
Der Autor kommt dann darauf zu sprechen, wie das Verkosten, das Riechen und Schmecken eines «natürlichen » Weines Aufschluss über seine Produktionsbedingungen ergibt, und er fährt fort: «Es ist die völlige Entwertung des sensorischen Orientierungsvermögens, die Weine des neuen Typs als unnatürlich erscheinen lässt. Grosse Weine verdanken ihre Grösse dem Umstand, dass sie nicht nur ‹gut schmecken›, sondern dem Riechen und Schmecken auch etwas zu verstehen geben. Je besser der Wein ist, desto deutlicher und desto ausschliesslicher macht er eine Aussage über die Wachstumsbedingungen der Trauben und die stilistische Idee des Winzers.»
Labor-Wein versus Originalgewächs Neben dem sogenannten Fraktionieren von Wein zählt unter anderem auch die Zugabe von Holzschnitzeln zur Imitierung des Barriquenausbaus zu diesen Verfahren, die in der EU bisher verboten, respektive nur mit besonderer Bewilligung erlaubt waren. Ausgesprochen stossend dabei ist, dass auf eine Deklarationspflicht für diese neuen oenologischen Methoden auf den Etiketten der daraus resultierenden Labor-Weine ausdrücklich verzichtet wird. Als Konsequenz wird man wohl auf den Etiketten von natürlich erzeugtem Wein schon bald Hinweise lesen wie «ohne Zusatz von Holzschnitzeln» oder «nicht fraktioniert» oder «nicht aromaverstärkt». Trotz des Widerstandes einiger europäischer Länder wurde dieses Abkommen in Kraft gesetzt, weil sonst ein Verfahren in der WTO gedroht hätte. Dort gilt der zynische Grundsatz: Alles ist erlaubt, solange es nicht gesundheitsschädigend ist. Ob die Originalität des Produktes Wein gewahrt bleibt, interessiert nicht. Das bedeutet nun aber nicht, dass in Europa ausschliesslich die weissen und in Übersee die schwarzen Schafe sitzen. Auch in der Alten Welt gibt es Weine, denen mit heute herkömmlichen Methoden der Weinaufbesserung auf die Sprünge geholfen wird.
Kompetenz und Vertrauen Unter dem noblen Begriff Wein wird uns heute vieles vorgesetzt, was diesen Namen nicht mehr verdient. Wein beinhaltet für die Weinliebhaber Natur und Authentizität und verträgt sich nicht mit industriellen Herstellungsmethoden, die ein gleiches Resultat vorgaukeln. Allerdings ist ein hoher Preis keine Qualitätsgarantie, und ein preisgünstiger Wein muss nicht automatisch schlecht sein. Wie soll man sich also orientieren? Weil für den Weinkauf oft nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht, ist der Kontakt mit einer vertrauenswürdigen Person, die Ihnen für ein Beratungsgespräch zur Verfügung steht, umso wichtiger. Die Kompetenz dieser Person können Sie an verschiedenen Punkten messen. Ein seriöser Partner ist nicht nur kurzfristiger Vermittler von günstigen Gelegenheiten. Er empfiehlt sachlich, setzt Superlative sparsam ein, verschmäht nicht heute das, was er gestern lobte, gewährt ein Rückgaberecht, vermag einen sorgfältigen Import, eine einwandfreie Lagerung und eine ebensolche Lieferung bis in Ihren Keller zu garantieren oder kann gar die Einlagerung Ihrer eigenen Kellerschätze übernehmen. Kurz, es ist jemand, der von A bis Z die Verantwortung übernimmt – auch nach abgeschlossenem Verkauf.
All diese wert- und genussvermehrenden Dienstleistungen finden Sie bei uns. Wir verfügen über die dazu nötige Infrastruktur. Und zum Aufstöbern der echten und wahren Weine reisen wir regelmässig zu deren Ursprung, sprechen mit den Produzenten, probieren ihre Weine und holen so alle notwendigen Informationen direkt an der Quelle ab. Denn nichts ersetzt solche persönlichen Begegnungen und Gespräche. Sie gehören zum Faszinierendsten in unserem Beruf. Diese Erfahrungen teilen wir gerne mit Ihnen.
Rolf Reichmuth
|
|