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Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (437KB)
Bordeaux | Burgund | Languedoc-Roussillon | Spanien | Italien | Österreich | Schweiz
Bordeaux - Archetyp des grossen Jahrgangs 1982, 1961, 1945 – solch grosse Jahrgänge werden als Vergleich mit dem 2005er herangezogen. Statistische Werte belegen, dass das Rebjahr 2005 tatsächlich etwas Besonderes war. Wenn auch in Bordeaux selbst das Frühjahr und der Sommer nicht eben als richtig schön in Erinnerung blieben, die Statistik spricht eine andere Sprache. Alle Bedingungen für eine ideale Vegetationsentwicklung – Wasser, Wärme, Licht – waren erfüllt. Ende Juli/Anfang August schlossen die Reben ihr Wachstum ab, und der Reifeprozess begann. Sind Frühling und Sommer zu feucht, bilden sich kontinuierlich und bis zur Lese neue Rebtriebe. In einem solchen Fall werden die durch Photosynthese in den Blättern gebildeten wertvollen Nährstoffe teilweise nicht in die Trauben sondern in diese «überflüssigen» Triebe geleitet.
Der Wetterverlauf und das gute Rebenwachstum erlaubten es 2005, in jeder Parzelle und auf jedem terroir den besten Reifezeitpunkt in Ruhe abzuwarten. Trockenheit und hohe Sonnenscheindauer führten schliesslich zu kleinen Beeren und einer dicken, festen Haut. François Nony von Château Labat, eine unserer letztjährigen Neuentdeckungen, beobachtete zudem das interessante Phänomen, dass sich trotz der Kleinheit der Beeren in den Cabernets 3 Traubenkerne gebildet hatten statt der sonst üblichen 2. Das erhöhte den Anteil an fester Materie zusätzlich und verringerte gleichzeitig den Saftanteil. Da selbst vollreife Traubenkerne Tannin enthalten, galt es in der Folge drauf zu achten, die Maischegärung (la cuvaison), bei der die Farb-, Gerbstoff- und Aromaausbeute stattfindet, nicht zu lange dauern zu lassen. Eine Gärung von rund 3 Wochen bei Temperaturen von 28 bis 29°C brachte in der Regel ausgewogene Resultate: tiefe Farbe, Komplexität, Körper, Rückgrat und Länge.
Der Zuckergehalt zur Erntezeit war beeindruckend, optimale Säure- und pH-Werte ergänzten, und die Gerbstoffe waren ebenfalls reif. Diese strukturelle Ausgewogenheit sowie ein bemerkenswerter Aromenreichtum verheissen einen grossen Jahrgang. Die erfreuliche, spürbare Frische in den Weinen erklärt sich damit, dass 2005 keine extremen Hitzeperioden kannte und die Nächte im September kühl waren. Besticht der 2003er heute durch samtige Textur und Vollmundigkeit, so verspricht der 2005er Frucht, eine raffinierte Aromatik und Eleganz. Dazu beigetragen haben sämtliche Rebsorten: Merlot mit seiner Fülle, der solide Cabernet-Sauvignon und der elegant-frische Cabernet Franc. Bordeaux spricht heute von einer réussite générale für alle Rebsorten und alle Regionen. Die Erträge liegen im Durchschnitt rund 25% unter denjenigen des Vorjahres.
Auch die trockenen Weissweine und die Süssweine profitierten von optimalen Bedingungen und versprechen sehr gute Qualitäten. Die Regenfälle nach dem Wochenende mit dem traditionellen Marathon du Médoc am 10. September und der Morgennebel begünstigten die Bildung der Edelfäule, und der trockene Oktober sorgte für die notwendige Konzentration in den Beeren.
Und die Preise? Da sich Amerika deutlich für diesen Jahrgang interessiert, schweben einige propriétaires bereits wieder in den Wolken. Es kursieren Gerüchte über Aufschläge von 20 bis 70%. Solch extreme Preissprünge sind wirtschaftlich nicht vertretbar. Sie begünstigen die Bildung eines separaten Luxusmarktes, der jenen Weinliebhabern Sorge bereitet, die den berühmten Bordelaiser Châteaux bisher die Treue hielten. Wir sind jedoch überzeugt, dass es 2005 in allen Appellationen viele hervorragend vinifizierte Gewächse zu durchaus vernünftigen Preisen geben wird.
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Burgund - un autre grand millésime Markante Kälteperioden im Dezember 2004 und Januar/Februar 2005 ermöglichten es der Rebe, auszuruhen und neue Kraft zu schöpfen. Das Frühjahr war mild und – speziell im April – eher regenreich, was den Wasservorräten im Boden wohl bekam. Zwei Schönwetterperioden Ende Mai und ab dem 11. Juni nährten Hoffnungen auf einen warmen Sommer, die Temperaturen in der ersten Julihälfte dämpften diese Erwartungen jedoch wieder. Es blieb dann zwar trocken, richtig schön wurde es jedoch erst ab dem 20. August. Unterbrochen von einigen schwachen Niederschlägen hielt das Hoch auch im September an. Den Reben schienen diese Wetterbedingungen zu behagen. Sie trieben eher spät aus, und die Blattbildung ging gemächlich vor sich. Die Blütezeit war in der ersten Junihälfte, und der ursprünglich festgestellte Vegetationsrückstand verwandelte sich bis Ende Juni in einen fünf- bis zehntägigen Vorsprung gegenüber 2004. Über alles gesehen war das Rebjahr 2005 eher zu trocken, mit Temperaturen, die sich leicht über dem zehnjährigen Durchschnittswert bewegten. Besonders in den Monaten Juni (Blüte) und September (Ernte) profitierte das Burgund von vielen Sonnenstunden und damit von viel Licht (wichtig für die Photosynthese in den Blättern). Der häufige Nordwind verhinderte extreme Temperaturspitzen, schützte Reben und Blätter vor Krankheiten, verlieh sowohl dem Pinot Noir als auch dem Chardonnay eine gute Zuckerkonzentration und bewahrte bei beiden Traubensorten eine passende Säure (Frische) sowie eine köstliche Aromenkomplexität. Denis Berthaut aus Fixin fragt am Schluss seines Ernteberichtes: «Est qu’il sera aussi beau que le 1990? On peut l’espérer.» Alle Weinbauern, vom Chablis-Gebiet über jene in der Côte d’Or bis hinunter ins Beaujolais, sprechen von einem grossen Jahrgang sowohl für die Rot- als auch für die Weissweine. Allerdings ging’s nicht ganz ohne Wermutstropfen. Am 3. Mai entlud sich ein Hagelgewitter über Vosne-Romanée. Die Vegetation erholte sich zwar rasch von diesem Schock, die Ernteaussichten jedoch wurden empfindlich beeinträchtigt. Am 17. Juli traf es die südliche Côte-de-Beaune (Santenay), was neben einer Ertragseinbusse zu einem grösseren Ernteaufwand führte. Jacques Girardin vom Château de la Charrière mietete eigens einen vibrierenden Sortiertisch, der es ihm erlaubte, die vom Hagel getroffenen, ausgetrockneten Beeren zu eliminieren.
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Languedoc-Roussillon - kleine Ernte und grosse Qualität Anlässlich unserer erfolgreichen Degustation von Spitzengewächsen aus Languedoc-Roussillon vom vergangenen 17. November im Zunfthaus zur Saffran in Zürich strahlten unsere propriétaires. Zum einen natürlich, weil der Anlass ein durchschlagender Erfolg war und fast 500 interessierte Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber die Gelegenheit ergriffen, führende Produzenten persönlich kennen zu lernen und ihre Weine probieren zu können. «Vos clients sont magiques», sagte uns eine erschöpfte aber glückliche Chantal Lecouty von Prieuré de Saint-Jean-de-Bébian zum Abschluss. Zum andern erklärte sich ihr Strahlen damit, dass sie eine ausgezeichnete Ernte 2005 im Keller hatten. Der für seine zurückhaltenden – und damit meist zutreffenden – Kommentare bekannte Olivier Jullien sagte uns: «Die Weine sind sehr gut.» Und auf unsere fragenden Blicke fuhr er nach einer Weile fort: «Sie sind wunderbar ausgewogen, mit intensiver Frucht, mit Stoff und Tiefe.» Die herumstehenden propriétaires nickten zustimmend, fügten da noch ein Superlativ bei und ergänzten dort mit einer positiven Begebenheit, die letztlich zum erfreulichen Gesamtbild beitrug. Michel Urbain von unserem Mas de Theyron erinnerte daran, dass der kalte und trockene Winter 04/05 den termingerechten Rebschnitt sehr erleichterte und der Pflanze eine wertvolle Ruhepause bescherte. Allerdings, das Ausbleiben von Niederschlägen bis in den Mai hinein, bereitete Sorgen. Einige kurze, gewitterhaft-intensive Regenfälle im Mai und im Juni brachten die in Rückstand geratene Vegetation wieder in Schwung. Trockenheit und kühler Mistral waren im Sommer unsere ständigen Begleiter. Abends sank die Temperatur oft so tief, dass man sich schon gegen neun Uhr in die Küche verzog. Den Trauben bekam dieses Klima gut. Ende August waren die kleinen Beeren kerngesund und das Blattwerk noch saftig grün. Die Vorbereitungsarbeiten für die Weinlese waren abgeschlossen, als am Freitag, 26. August mit einer Equipe von 12 Personen die weissen Trauben eingebracht wurden. Eine dicke Beerenhaut und grosse Traubenkerne reduzierten die ohnehin schon kleine Saftausbeute nochmals. Was jedoch aus der Traubenpresse floss, entschädigte uns. Der weisse Most war aromareich und hatte eine gute Säure. Eine weitere Schönwetterwoche schloss sich an. Der zuckersüsse Merlot und unsere Rosé-Basis, der duftig-fruchtige Cinsault, wurden geerntet. So ging’s bis am 4. September. Am 5. fuhr uns der Schreck in die Glieder: es begann zu regnen. Das wechselhafte Wetter dauerte an. Glücklicherweise erlaubte es uns der gute Gesundheitszustand der Reben, die Lese während 8 Tagen zu unterbrechen. Der am folgenden Wochenende einsetzende Nordwind trocknete alles ab, so dass wir am 13. weitermachen konnten. Am Sonntag, 18. September brachte eine motivierte Ernteequipe die letzte Fuhre unserer nun schon bald vierzigjährigen Carignan ein. Die Bilanz ist erfreulich. Zucker, Säure und Tannine verleihen den Weinen ein beeindruckendes Gleichgewicht. 2001 – 2003 – 2005 – drei ausgezeichnete Jahrgänge im Languedoc. Gute Qualitäten in klassischer Manier melden auch unsere Produzenten aus den übrigen Regionen Frankreichs. Die Trockenheit führte zu kleinen Erträgen und konzentrierten Weinen mit einem Tannin-Rückgrat, das eine lange Lebenserwartung verheisst. Die kühlen Perioden während des Rebjahres sorgten für Frucht und Frische. Die Niederschläge im Frühjahr begünstigten die regelmässige Vegetationsentwicklung und jene im Herbst das komplette Ausreifen der Trauben. Wir werden bei gegebener Gelegenheit näher auf den 2005er in den einzelnen Regionen eingehen.
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Spanien 2005: denkwürdig Christine Forner, Mitinhaberin der Bodega Marqués de Cáceres, schwärmte nach der vielbesuchten Rioja-Degustation von Anfang Februar 2006 in der Blumenhalle in Zürich ebenfalls vom Jahrgang 2005. «Aussergewöhnlich» wiederholte sie immer wieder. Reichlich Schnee im Januar, Februar und März 2005 sorgten im Rioja-Gebiet für die notwendigen Wasserreserven im Boden. Der Austrieb im April war gut, die Blütezeit jedoch verlief nicht unter optimalen Bedingungen, was zu einer unregelmässigen Befruchtung und einer Verringerung des Behangs führte. Wegen des sommerlichen Niederschlagsmangels blieben die Beeren klein, und die Trauben selbst waren lockerer ausgebildet. Der auf diese natürliche Art und Weise regulierte Ertrag, vermochte perfekt auszureifen. Ende September, mit einem zweiwöchigen Vorsprung gegenüber einem normalen Jahr, begann die Lese. «Cáceres» erntete die weissen Trauben ab dem 22. September und die roten ab dem 26. bei besten Bedingungen, mit angenehmen Tages- und kühlen Nachttemperaturen und ohne einen Tropfen Regen. Am 11. Oktober war alles im Keller. Gerade rechtzeitig, denn ab dem 12. wechselte das Wetter abrupt. Gewitter und Hagel sowie langanhaltende Niederschläge beeinträchtigten die Qualität erheblich und erschwerten all jenen die Erntearbeiten, die zulange gewartet hatten. Joan Miquel Canals von Canals Nadal schrieb uns von einem aufregenden Jahr mit einigen Klima-Kapriolen, die zwar im Moment beunruhigten, letztlich aber zum guten Gelingen beitrugen. Hauptsächlich die Trockenheit und relativ kühlen Temperaturen im Frühjahr und Sommer machten den Winzern zu schaffen. Ein heftiges Gewitter Ende August war der Grund dafür, das festgelegte Erntedatum um eine Woche hinauszuschieben. Joan Miquel lobt vor allem die Ausgewogenheit zwischen Säure und Alkohol und erwartet einen duftig-fruchtigen und eleganten Cava. Im Priorat, in der Ribera del Duero sowie in Toro ist man sehr zufrieden. Die Weine sind gehaltvoll, haben weiches, gut stützendes Tannin und versprechen eine lange Lagerfähigkeit.
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Italien: perfekter Sommer - durchzogener Herbst - viele gute Qualitäten Fast perfektes Wetter bis in den August hinein liessen eine euphorische Stimmung aufkommen. Die angesehene Tageszeitung «La Republica» berichtete Mitte August bereits vom voraussichtlich besten Jahrgang seit Jahrzehnten. Und in der Tat herrschten vom Frühling bis zum Spätsommer für die Winzer traumhafte Bedingungen. Die Blüte verlief im Juni in kürzester Zeit unter strahlendem Sonnenschein. Ohne Temperatur- oder Witterungsextreme durchlebte die Rebe während des Sommers eine weitgehend stressfreie Zeit, und im rechten Moment kamen auch ein paar Tropfen Regen hinzu, um die Nährstoffe im Boden der Rebe zur Verfügung zu stellen. Einmal mehr bestätigte sich aber die alte Winzer Weisheit, wonach man die Weine erst loben sollte, nachdem die Trauben geerntet worden sind. Was geschah? Gegen Ende August begann es immer häufiger zu regnen, auch der September brachte eher feuchtes Wetter, und zum Schrecken der Winzer zogen Hagelschauer durch die Weinberge. Die unbeständige Witterung zog sich zwar bis in den Oktober hinein, war jedoch von Region zu Region sehr unterschiedlich. Eine Pauschalbeurteilung ist deshalb kaum möglich. Selbst innerhalb eines Weingutes gab es beträchtliche Differenzen bezüglich der Güte der Trauben je nach Sorte und Lage. Sicherlich birgt der Jahrgang 2005 Überraschungen in positiver wie in negativer Hinsicht. Erfahrung war im 2005 besonders wichtig, galt es doch, frühzeitig auf den Wetterumschwung zu reagieren und sowohl im Rebberg als auch bei der anschliessenden Vinifikation die richtigen Entscheide zu fällen. Auf La Lastra war man Ende November zufrieden: Vernaccia, Sangiovese und der Merlot sind ausgezeichnet gelungen. Einzig der Cabernet überzeugt das Winzerpaar Nadia Betti und Romano Spanu nicht, doch erst im Frühling wird entschieden, ob Rovaio 2005 produziert wird. Im Brunello-Gebiet tönt es verhalten optimistisch. Andrea Machetti von der Azienda Mastrojanni gefällt der frische Jungwein im Fass, doch gehört seiner Meinung nach der 2005 nicht zu den langlebigsten Brunelli. Im Piemont ist die Situation bei den Sorten Nebbiolo und Barbera ungleichmässig. Alle vor dem 29. September sowie nach dem 10. Oktober gelesenen Trauben ergaben gute bis sehr gute Weine mit einer mittleren Lagerfähigkeit. Wo jedoch die Niederschläge im Oktober den Trauben zu stark zusetzten und Fäulnis eintrat, konnte kaum guter Wein produziert werden. In Apulien und Sizilien zeigt man sich zufrieden mit der Qualität. Das Wetter war zwar nach ferragosto (15. August) auch launischer und regenreicher als in anderen Jahren, doch ausser einem etwas geringeren durchschnittlichen Alkoholgehalt gibt es bei den beliebten Alltags-Weinen aus Nero d’Avola, Primitivo und Negroamaro keine Abstriche zu machen. Das eher frischere Klima bewahrte die Aromen-Vielfalt, und die Weine dürften in ihrer Art den guten 04ern gleichen. Diego Cusumano von Nadaria sieht alle Vorteile bei den jung zu trinkenden Weinen. «Es ist kein Jahrgang für eine lange Lagerung. Dank ihrer betörenden Aromen machen die 05er vor allem in den ersten drei bis vier Jahren viel Freude.»
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Österreich - grosser Einsatz wurde belohnt Willi Bründlmayer in Langenlois im Kamptal schrieb uns: «2005 ist kein Jahrgang für ‹faule› Winzer. In einem Jahr wie 2003 konnte sich jeder zurücklehnen und ohne viel Arbeit einen ordentlichen Wein gewinnen. 2005 musste differenzierter ge arbeitet werden: Laubarbeit, Trauben wegschneiden, schlechte Beeren und Traubenteile wegschnipseln, äusserste Schonung und Sorgfalt. Ein weiteres Jahr für ehrgeizige Winzer.» Er spielte damit auf das recht schwierige Rebjahr und den regenreichen Sommer an. Erst der schöne Herbst ab Mitte September brachte die Wende zum Guten. Klar bevorzugt waren die Lagen auf den kargen Gesteinsterrassen, wie dies auch Toni Bodenstein vom Weingut Prager-Bodenstein für die Wachau bestätigte. Dort konnten die Niederschläge wie durch ein Sieb versickern. Und Andi Kollwentz aus dem Burgenland meinte schliesslich: «Wir waren heuer weniger von der Sonne verwöhnt und mussten sehr viel Zeit im Weingarten aufwenden, um die Laubwand sonnig und luftig zu halten, da das Rebenwachstum geradezu enorm war. In diesem Jahr werden die Weine sehr starke Fruchtnoten aufweisen. Zusammen mit geringen Erträgen, dürfen wir würzige, aromatische Weine erwarten.»
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Schweiz - überall vielversprechend Ob Ostschweiz, Westschweiz oder Tessin, überall hörte man den gleichen positiven Tenor, und zwischen den Worten und Zeilen vernahm man deutlich den Seufzer der Erleichterung. Denn auch hierzulande dämpfte ein trüber Sommer (erinnern wir uns an die teils fatalen Überschwemmungen) vorerst jede Hoffnung auf etwas Aussergewöhnliches. Erst der goldene Herbst brachte die Rettung, wobei der seit Menschengedenken verheerendste Hagelzug vom Nachmittag des 18. Juli über dem Lavaux-Gebiet nicht vergessen werden soll. Besonders die Appellationen Dézaley und Saint-Saphorin glichen eine halbe Stunde später einer traurigen Mondlandschaft. Die Befürchtungen, dass auch das Rebholz durch den Schock nachhaltig beschädigt sei, bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht. Die Rebe erholte sich, neue Blätter trieben aus, und im September präsentierten sich die Weinberge in fast normaler Farbenpracht: ein eindrückliches Zeichen der Regenerationsfähigkeit der Pflanze. Aus dem Wallis, aus Fully, berichtet uns Yvon Roduit von du tout grand vin rouge, hervorragenden Roten also und von Weissweinen mit viel Struktur und Finesse. In der Deutschschweiz lagen die Erntemengen vielfach unter dem langjährigen Durchschnitt, die Säure- und Zuckerwerte jedoch sind sehr gut. Rekordergebnisse meldet die Bündner Herrschaft: gute Mengen sowie ein homogenes, reifes und gesundes Traubengut um die 100 Oe°. Daniel Marugg siedelt diesen überdurchschnittlichen Jahrgang zwischen 2003 (Fülle) und 2004 (Struktur) an.
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