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Jahrgangsbericht 2004

 

Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (142KB)

 

Bordeaux | Burgund | Languedoc-Roussillon | Spanien | Italien | Österreich | Schweiz

 

Bordeaux - Un vrai millésime classique
Zwei Hauptfaktoren kennzeichneten das Rebjahr 2004 im Bordelais. Zum einen die tiefen Temperaturen im  Frühjahr, was zu einer rund zweiwöchigen Verzögerung in der Vegetationsentwicklung führte und letztlich auch den relativ späten Erntetermin erklärt. Und zum anderen die optimalen Bedingungen während der Blütezeit: schön warm und leicht windig. Befruchtung und Beerenbildung waren sehr gleichmässig. Es schien, als wollte die Natur die Kleinernte des heissen Vorjahres kompensieren. Eine konsequente Ertragsbeschränkung mittels Herausschneiden von Trauben war notwendig. Ein nasser und sonnenarmer August trübte die Aussichten. Die Reifeentwicklung verlangsamte sich, und der häufige Regen liess die Traubenbeeren in unerwünschter Weise anschwellen. Das bedeutete neue Arbeit für den Winzer, musste er doch nochmals durch die Rebzeilen, um all die grün gebliebenen oder zu gross gewordenen Trauben zu eliminieren.
Ab Ende August und bis Mitte Oktober war es dann mehrheitlich trocken und sonnig mit Tagestemperaturen von 22 bis 24°C und kühlen Nächten. Diese Konstellation liess die Trauben langsam aber kontinuierlich ausreifen. Sagt die Faustregel, dass zwischen der Blüte und der Ernte rund 100 Tage liegen, waren es 2004 20 bis 30 Tage mehr. Für die Tanninbildung ist das sehr positiv, es wird feiner, reifer und das harte, krautige Aroma verschwindet.
Der 2004er reiht sich bei den spätreifen Jahren ein, lag der Lesehöhepunkt für die Rotweinsorten doch durchwegs in der ersten Oktoberhälfte. Erste Kommentare lassen darauf schliessen, dass Merlot und Cabernet-Franc bezüglich optimaler Reife die Nase vorn hatten. Eine schlüssige Prognose war Anfang Dezember, zum Zeitpunkt zu dem diese Zeilen geschrieben wurden, aber noch verfrüht. Aufgrund der klimatischen Voraussetzungen wird der 2004er nicht die Kraft und Fülle seines Vorgängers haben und sich vermutlich eher bei den klassischen Jahrgängen mit ausdrucksvoller Frucht und einem ausgewogenen, «saftigen » Tanningerüst einreihen. Die grosse Erntemenge, der Sinkflug des Dollars sowie – nach dem Ausnahmejahr 2003 – ein weniger hohes Jahrgangsrenommee dürften die Preise nach unten korrigieren.

 

 

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Burgund - Ende gut,a lles gut
Glich 2003 – dank Wärme und Trockenheit – beinahe einem Spaziergang, verlangte 2004 von den Burgunder Winzern viel ab. Alles begann «normal» und glich den Bedingungen in den Jahren 2000 bis 2002: guter Austrieb und ideale Voraussetzungen für die Blütezeit im Juni. Im Juli und August war das Wetter dann sehr wechselhaft und eher unfreundlich. Niederschläge und tiefe Temperaturen wechselten sich ab mit sonnigen, schwülen Perioden. Das waren ideale Bedingungen für das Entstehen von Blatt- und Traubenkrankheiten. In der Region von Volnay und Pommard zerstörten zudem zwei Hagelgewitter von Ende Juli und Ende August bis zu 60% der zukünftigen Ernte.
Was 2003 wegen der intensiven Hitze nicht angebracht war, drängte sich jetzt wieder auf: effeuillage und vendange verte (Herausschneiden von Blättern am Rebstock, damit die Trauben stets gut durchlüftet sind und gesund bleiben, sowie selektives Wegschneiden von Trauben, um den zu reichen Behang zu korrigieren und den verbleibenden Trauben mehr Nährstoffe zuzuführen).
Mitte August schien die Reifeentwicklung still zu stehen, doch am 25. kehrte der Optimismus zurück. Der Nordwind brachte schönes Wetter, viel Licht (luminosité) und Trockenheit. Das Profil des Jahrganges änderte sich komplett. Einen Monat später waren Säure- und Zuckerwerte optimal, und die Ernte begann. Nun war strenge Sönderung angesagt und Laurent Juillot bemerkte: «Chaque raisin a fait l’objet d’un tri minutieux.» (Jede Traube wurde sorgfältig untersucht).
Letztlich, so scheint es, hat der sensible Pinot Noir wohl unter dem Mehltau gelitten, dank des kühlen Klimas aber auch viel fruchtige Aromastoffe und eine lebhafte Säure bewahrt, was harmonische und wohlschmeckende Weine erwarten lässt.

 

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Languedoc-Roussillon - Frisch, frank, fröhlich - und fein
Aus nahe liegenden Gründen schildere ich hier die Verhältnisse auf meinem Rebgut Mas de Theyron und kann Ihnen so Informationen aus erster Hand vermitteln.

Ein regenreicher Frühling, recht häufig für die Region, erlaubte es, die im Vorjahr geschwundenen Wasservorräte im Boden neu zu bilden. Ab Mitte Mai beherrschte eine rund zweimonatige Hochdruckphase das Wetter. Die Rebe blühte schnell und gedieh prächtig. Der Sommer 2004 war – vor allem im August – warm, sonnenarm und gewitterhaft. Weniger der Regen als vielmehr eine hohe Luftfeuchtigkeit machte uns zu schaffen. Michel Urbain, mein Verwalter auf Theyron, beobachtete die Reben aufmerksam, um sofort eingreifen zu können, falls eine Rebkrankheit sichtbar würde.
Die sorgfältige Bodenarbeit, die wir seit Jahren praktizieren, das Entlauben und der geringe Behang zahlten sich nun aus: die Trauben blieben gesund und reiften regelmässig. In der ersten Septemberwoche ernteten wir en famille zum ersten Mal unsere weissen Sorten. Auf rund 1 ha pflanzten wir im Frühling 2000 ein paar Stöcke Chardonnay, Viognier, Marsanne, Roussanne, Clairette, Chenin blanc und Muscat. In den Vorjahren schnitten wir jeweils sämtliche Trauben ab, damit sich ein gutes Wurzelwerk entwickelte. Dieses Jahr nun liessen wir pro Stock eine Traube hängen. Wir vinifizierten alles zusammen und sind nun gespannt auf das Resultat.
Nach ein paar schönen Tagen entlud sich in der Nacht vom 11. auf den 12. September ein heftiges Gewitter. Da die Trauben reif waren, erhöhte die Feuchtigkeit das Fäulnisrisiko. Glücklicherweise folgten schöne, trockene Tage mit viel Wind. Tagsüber stieg das Thermometer auf 27/28°C, nachts sank es bis auf 13°C. Diese grosse Differenz ist verantwortlich für die Frische und Frucht in unseren Weinen.
Am 16. begannen wir mit der Lese, von Hand selbstverständlich und wiederum unter Mitwirkung von Caséine und Violette, den zwei Maultieren aus den Pyrenäen, sowie den zwei Pferden Joyeux und Kourou. Wir ernteten ohne Unterbruch, auch am Wochenende. Zucker- und Säurewerte sowie die Farbintensität waren ideal. Auf Merlot, Tempranillo, Cinsault, Syrah und Grenache folgte am Schluss noch Carignan, der dieses Jahr wohl besonders gut gelang. Die Erträge waren in allen Rebsorten gering und erreichen keine 40 hl/ha. Am 25. September feierte schliesslich eine müde aber zufriedene Truppe das glückliche Ende der Ernte 2004. – Allgemein sind die propriétaires mit dem 2004er sehr zufrieden und blicken nun nach 2001 und 2003 bereits auf den dritten sehr guten Jahrgang zurück.

 

In den anderen Regionen Frankreichs ist man mit der Qualität des jüngsten Jahrganges ebenfalls zufrieden. Der Süden, vom Rhônetal bis zu den Pyrenäen, war wettermässig privilegierter und erntete mengenmässig kleinere Erträge als der Norden. Wo sorgfältig gearbeitet wurde, haben die Weine Frucht, Aroma und Tiefe. Sie sind zugänglicher, weniger konzentriert als die 2003er und dürften in ihrem Genuss unkomplizierter sein. 

 

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Spanien - So hervorragend wie 2001
Christine Forner war zur Weinlesezeit (5. bis 18. Oktober) ganz begeistert von der Qualität der eingebrachten Trauben. Die kleinen, dickhäutigen Beeren verströmten beim Einkellern ein herrliches Fruchtaroma. Auf dem Gaumen spürte man den Zuckerreichtum, eine angenehme Säure und die reifen Tannine. «Wir werden vermutlich die exzellente Qualität des Jahrganges 2001 erreichen», meinte sie nach der Ernte. Dabei hatten das feucht-warme Augustwetter und einige lokale Hagelschäden Unruhe aufkommen lassen und Befürchtungen genährt. Nach den willkommenen Niederschlägen im Winter 03/04 verlief schon das Frühjahr nicht optimal. Kühle Temperaturen verzögerten den Vegetationsverlauf um gut vierzehn Tage gegenüber dem Durchschnitt. In der zweiten Junihälfte und im Juli sorgten sommerliche Verhältnisse für eine Normalisierung. Endgültig zum Guten wendete sich das Blatt ab dem 6. September. Das schöne Wetter hielt dann bis weit in den Oktober hinein an. Mengenmässig wurden rund 10% weniger eingebracht als im Vorjahr.
Andere Regionen melden ebenfalls erfreuliche Resultate bei etwas grösseren Erträgen als 2003. In Cariñena (Marqués de Ballestar) erstreckte sich die Ernte – abhängig von Reblage und Traubensorte – über gut zwei Monate vom 15. September bis zum 12. November. Und vom Duero erreichten uns positive Berichte sowohl von Galo López vom Weingut López Cristóbal (Ribera del Duero) als auch von der Bodega Rejadorada in Toro, wo man 2004 kerngesundes und reifes Traubengut einbrachte.

 

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Italien - Gut Ding will Weile haben
Für viele Winzer war der Jahrgang 2004 ein Schritt hin zur Normalität. Nach einem schwierigen 2002 und einem in jeder Beziehung aussergewöhnlichen 2003 zeigte sich das Wetter im Berichtsjahr von seiner voraussehbaren Seite. Viele Regionen profitierten und konnten eine mengenmässig grössere Ernte als in den Vorjahren einbringen. Eine grüne Ernte (Wegschneiden der Trauben im Sommer) war Voraussetzung, um einwandfreies, qualitativ gutes Traubengut zu ernten, denn die Rebstöcke kompensierten die teilweise geringen Erträge aus dem heissen Vorjahr mit grossem Behang.
Eine der bevorteilten Regionen war dieses Jahr sicherlich die Toskana. Aussergewöhnlich schönes Wetter während der Blüte ermöglichte einen gleichmässigen Fruchtansatz. Im Verlauf des eher wechselhaften Sommers geriet die Rebe nie in Stress. Im Herbst galt es dann, Ruhe zu bewahren und den richtigen Erntezeitpunkt abzuwarten. Besonders vorteilhaft waren dabei die grossen Temperaturunterschiede von bis zu 20°C zwischen Tag und Nacht. Dadurch wurde einerseits die Frucht bewahrt, andererseits schritt die Reife der Gerbstoffe zügig voran.
Im Piemont stuft man das Jahr 2004 als gutes Weinjahr ein. «Die Rückkehr zu einer späteren Ernte schadet dem Nebbiolo nicht», sagt Roberto Conterno. Im Gegenteil: die Gerbstoffe der Trauben vermögen besser auszureifen und ergeben zugänglichere Weine. Gemäss Conterno wurden beim Nebbiolo 60% der Trauben während der Vegetation herausgeschnitten, so üppig wuchsen die Reben. Wurde diese Arbeit konsequent gemacht, erreichten die Trauben die volle Reife.

 

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Österreich - Elegant, duftig und straff strukturiert
Einen perfekten Gesundheits- und Reifezustand der Trauben vermeldet Andi Kollwentz aus Kleinhöflein im Burgenland. Das gute Resultat führt er zurück auf die ständige Arbeit im Weingarten und die strenge Ertragsbeschränkung. Die Ernte für die trockenen Weiss- und Rotweine dauerte vom 29. September bis zum 23. Oktober und war damit gut einen Monat später als im Vorjahr. Für die süssen Weine wurden die edelfaulen Beeren am 17. November gelesen. Der Aufwand dafür ist enorm: An diesem Tag brachte die Familie 800 Kilogramm Trockenbeeren ein, was rund 400 Liter Trockenbeerenauslese ergibt. Umgerechnet auf eine Person, betrug die Leseleistung knapp 8 Liter pro Stunde.
Von Michael Moosbrugger vom Weingut Schloss Gobelsburg in Langenlois im Kamptal erfuhren wir, dass das Rebjahr 2004 bis und mit Juni recht kühl war und die Vegetationsentwicklung deshalb in Rückstand geriet. Die Blüte verlief nicht optimal, was er jedoch positiv wertete, weil dadurch der Behang von der Natur selbst beschränkt wurde. Juli und August waren dann richtige Sommermonate: trocken und sonnig. Diese warmen Wochen förderten eine gute Farbbildung in den Beerenhäuten und der etwas kühlere September trug zu einer subtilen Fruchtnote bei. Nach den Rotweinen wurden ab dem 19. Oktober die weissen Sorten eingebracht. Wegen des Nebels gab es zwischendurch immer wieder Unterbrüche, damit die Trauben austrocknen konnten. 2004 war eine nervenaufreibende Ernte, galt es doch laufend zu entscheiden, ob zugewartet oder weitergemacht wird.
Der Umschwung kam am 11. November: es wurde kalt, trocken und windig. Nun wurden die Einzellagen geerntet. Zuerst der Riesling, dann der Grüne Veltliner, untern anderem in den Rieden Renner und Lamm, bevor in den letzten zwei Tagen noch die edelsüssen Gewächse eingebracht wurden. Michael Moosbrugger schliesst mit den Worten: «Noch gärt der ganze Keller, nur die leichteren Weine prickeln noch so vor sich hin. Das ist doch das Schöne an unserer Weinwelt: Jedes Jahr gibt es wieder etwas Neues zu erleben und zu erzählen…»

 

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Schweiz - Das Glück der langen Reifephase
Das Jahr 2004 setzte auch in der Schweiz andere Akzente als 2003. Aus der Bündner Herrschaft berichten sowohl Daniel Marugg vom Weingut Bovel in Fläsch als auch Bernhard Wyler, Kellermeister auf Schloss Salenegg in Maienfeld, von einem wechselhaften, eher feuchten Jahr, in dem die Reben jedoch prächtig gediehen. Der Sommer begann eigentlich erst Ende Juli und die Traubenreife zog sich hin bis Ende Oktober. Für den Pinot Noir wurden gute Oechslewerte von letztlich 100 und sogar leicht darüber gemessen.
Für Waldemar Zahner aus Truttikon verdient die Vegetationsperiode die Qualifikation «sehr gutes Normaljahr». Und er schreibt weiter: «Vom wunderbaren Vorjahr mit Reservestoffen voll bepackt, waren die Rebstöcke durch den problemlosen Winter gegangen und befanden sich in so vitaler Form, dass die Blüte perfekt vor sich ging und nach auffällig kurzer Zeit ein gleichmässiger, reicher Behang des Winzers Auge erfreute. Auch eine Reihe kurzer Schlechtwettereinbrüche während des Hochsommers und vor allem im September konnten der vielversprechenden Ernte nicht mehr ernstlich schaden.» Erst spät, am 11. Oktober, wurde der Riesling x Sylvaner geerntet.
Yvon und Claudine Roduit aus Fully sind ganz besonders zufrieden mit ihren Rotweinen Syrah, Gamay und Cornalin. Sie erwarten hier ein exzellentes Resultat. Bei den weissen Sorten erwähnen sie die ausdrucksstarken, trockenen Spezialitäten Petite Arvine, Marsanne und Humagne. Sie alle offerieren eine gute Perspektive.

 

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