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Jahrgangsbericht 2003

 

Jahrgangs- und Marktbericht als PDF (142KB)

 

Bordeaux | Burgund | Languedoc-Roussillon | Spanien | Italien | Österreich | Schweiz

 

Bordeaux
Nach einem sehr guten 2002er prophezeit uns das Bordelais un millésime historique. Einige proprietaires verzichten gar auf persönliche Kommentare und beschränken sich auf die Weitergabe technischer Details um zu erklären, was wettermässig in Bordeaux geschehen ist. Andere, wie beispielsweise John Kolasa, der mit Château Rauzan-Segla und Château Canon wohl zwei der Spitzengewächse des Jahrganges erzeugt hat, heben den Mahnfinger und warnen vor voreiliger Euphorie. Am 24. November sagte er uns: «Viele Reben haben gelitten, und die daraus gewonnenen Weine werden dünn sein und sich nicht für eine lange Lagerung eignen. Warten wir ab, wie sich die Farbe, die Säure und die Gerbstoffe entwickeln. Aufgrund der extremen Bedingungen wird der 2003er nicht so homogen daher kommen wie der 2000er. Ausschlaggebend ist die unterschiedliche Qualität der Böden. 2003 gilt: gute Qualität = guter Boden.

 

Bezüglich Rebsorten scheinen die später reifenden Cabernet-Sauvignon und Petit Verdot besonders gelungen zu sein. Sie profitierten wohl am meisten von den Niederschlägen von Anfang September und der darauf folgenden Abkühlung. Alain Vauthier von Château Ausone berichtet von einer normalen Ernte (29 hl/ha) und durchwegs guten Alkoholwerten beim Merlot (13,7°), Cabernet Franc (14,4°), den Petits Verdots (14,5°) und den Cabernet-Sauvignons (13°). Sowohl Jean-Bernard Delmas von Château Haut-Brion (die Weissweinernte begann dort am 13. August!) als auch Danielle Vialard von Château Cissac schliessen ihren Kommentar mit einem Hinweis auf die Frische und den Aromenreichtum der Weine. Die Frucht, die man unter der Sommerhitze bereits verbrennen sah, ist nach der Weinbereitung sehr präsent und ergänzt eine elegante und feine Struktur. Voraussetzung war allerdings eine behutsame und nicht all zu lange dauernde Maischegärung, um die durchaus vorhandenen Gerbstoffe (=das Zeichen eines heissen Jahres) nicht zu stark zu extrahieren.

 

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Burgund
Gespannt waren wir auf das Resultat im Burgund, fühlt sich der Pinot Noir doch wohler in einem kühleren Klima. Bei Degustationen in der ersten Novemberwoche wurden wir angenehm überrascht. Die Rotweine bei den von uns besuchten Produzenten präsentierten sich tieffarbig, konzentriert und fleischig, und nichts war zu spüren von Überreife oder Dörrfruchtgeschmack. Dieser Erfolg kommt allerdings nicht von ungefähr. Die ersten zwei Augustwochen waren sehr heiss. Direkt der Sonne ausgesetzte Trauben verbrannten und trockneten aus, die Säurewerte sanken. Unter diesem Druck wurde der offizielle Erntebeginn auf den 19. August festgesetzt. Manche vignerons - erschrocken ob dieser Entwicklung - beeilten sich, die Trauben einzubringen. Man fuhr Kühlwagen in die Rebberge, um die eben geschnittenen Trauben abzukühlen. Panikstimmung kam auf, und es galt, ruhig Blut zu bewahren. Nervenstarke Produzenten zogen es vor, noch etwas zuzuwarten, bis auch die Gerbstoffe reif waren. Ab dem 25. August sanken die Säurewerte nicht mehr und die Nächte wurden frischer. Am 29./30. August sowie am 7./8. September regnete es gar. Vieles kam wieder ins Lot. Bei der Ernte musste stark gesondert werden, und die Weinbereitung selbst verlangte Fingerspitzengefühl: keine oder nur sehr sorgfältige pigeage (=Abstossen des Tresterhutes zur Extraktion von Färb-, Aroma- und Gerbstoffen) sowie sanftes und langsames Pressen. Sowohl Dominique Lafon als auch Etienne Grivot sind optimistisch und sprechen von einem eindrücklichen aber auch ungewöhnlichen Jahrgang.

 

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Languedoc-Roussillon
Stellvertretend für all «unsere» Produzenten aus der Region Languedoc-Roussillon berichten wir kurz von unserem Rebgut Mas de Theyron. Vom Zuckergehalt her sind die Merlots am 21. August reif (über 15 Vol%). Beim Essen der Beeren spürt man in der Traubenhaut aber noch einen leicht grün-bitteren Geschmack. Die Trauben scheinen eher «gekocht» als reif. Da das Reblaub, mit Ausnahme in einer kleinen Syrah-Parzelle auf der Hügelkuppe, noch satt grün ist, warten wir zu. Etwas kühlere Nachttemperaturen, ein feiner Morgentau und ein leichter Nordwind sind unsere Verbündeten. Innerhalb von 4 Tagen verlieren die dicken Beerenhäute den Unreife-Ton und eine frische Frucht dominiert. Am 29. August geht's los. Die Lese dauert bis am 16. September. Kleine Unterbrüche dazwischen – um ein willkommenes Gewitter vorbeiziehen zu lassen oder die perfekte Reife von Carignan und Mourvèdre abzuwarten – erlauben uns eine wunderbar ruhige Arbeitsweise. Die alkoholische Gärung verläuft trotz hohem Zuckergehalt problemlos. Die Moste machen uns Freude. Schon nach kurzer Zeit sind sie sehr farbintensiv, zeigen Frucht und Aroma. Wir entscheiden uns für eine kurze Maischegärung, um die weichen Tannine nicht hart werden zu lassen. Ende November degustieren wir die Jungweine sehr gut: fruchtig, stoffig, langanhaltend. 

 

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Spanien
Die wichtigsten Rebgebiete Spaniens melden heterogene Ergebnisse. Christine Forner von Rioja Marqués de Cáceres ist mehr als zufrieden, erwähnt aber die Wichtigkeit qualitativ guter Böden. Eine strenge Sönderung bei der Ernte war unabdingbar, um allfällig verbrannte und eingetrocknete Trauben auszuscheiden. Aus dem Priorat (Barranc dels Closos), aus Cariñena (Marqués de Ballestar), Ribera del Duero (López Cristóbal) und Toro (Rejadorada) erreichen uns erfreuliche Berichte. Das oft kühlere Klima und die ohnehin kleinen Erträge verhalfen zu gesundem Traubengut..

 

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Italien
Die Aufregung des Jahrganges 2003 ist in den Ausführungen der Produzenten spürbar: Kein Bericht, ohne auf die einmaligen klimatischen Bedingungen hinzuweisen. Durchwegs von einem grossen Jahr zu sprechen ist aber nicht angebracht – zu viele Gefahren lauerten auf die Winzer und ihre Rebberge. Selbst innerhalb eines Produzentenkellers können sich grosse Weine und Mittelmass abwechseln. Am 7. April lag Schnee in der Toskana und die Temperaturen fielen unter -4°C. Die Augen der Reben erlitten Schäden und im Brunello-Gebiet wurde bei einigen Produzenten – unter anderen bei Mastrojanni – ein Drittel der Ernte zerstört.

 

Heiss und trocken präsentierte sich der Sommer. Auf La Lastra verfärbten sich die Blätter der voll gegen Süden ausgerichteten Rebberge bereits Ende Juli. Die anderen Lagen reiften optimal und die Weine zeigen ausgewogene Analysewerte und versprechen viel Potential. Im Piemont ist man glücklich darüber, einen sehr guten Jahrgang eingebracht zu haben. Der trockene und heisse Sommer führte wohl zu einem Vegetationsvorsprung. Dennoch wurden Barbera und Nebbiolo bei Giacomo Conterno erst anfangs Oktober geerntet - nur eine Woche früher als üblich. Die ersten Degustationen zeigen tiefgründige, extraktreiche Weine, die eine lange Lagerfähigkeit versprechen. Auf Sizilien war man lange Zeit unsicher, und es brauchte gute Nerven. Die Rebe war noch gestresst vom letzten, sehr trockenen Jahr und trieb entsprechend spät aus. 2003 war hier kein besonders heisses Jahr. Eine optimale Reife war fast schon erreicht, als kräftiger Regen zu Beginn des Septembers einsetzte und insbesondere der sensiblen Nero d'Avola zusetzte, dadurch verringerte sich die Ernte um 10%. Doch die Qualität der eingebrachten Weine wird als hervorragend bezeichnet.

 

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Österreich
Unsere Anfragen für Ernteberichte aus Österreich wurden dieses Jahr in Windeseile beantwortet. «Heuer können wir nur Positives berichten» schreibt uns Andi Kollwentz mit grosser Genugtuung. Im Gegensatz zu anderen Regionen gab es in Osterreich jeweils im richtigen Moment immer wieder ein paar Tropfen Regen, so dass die Reben kaum leiden mussten. In den meisten Weingebieten Österreichs wurde (historisch) früh gelesen, 10 Tage vor dem bisher frühesten Lesetermin in der Statistik. Willi Bründlmayer verzichtete bei seinem Riesling darauf, die Beerenhäute zu lange mit dem Saft in Kontakt zu lassen. Heuer bestand die Gefahr eines zu intensiven, dominierenden Aromas. «Einer der grössten Jahrgänge überhaupt», sagt Willi Bründlmayer, und Andi Kollwentz schwärmt von mächtigen und gehaltvollen Weiss- und Rotweinen.

 

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Schweiz
Schweiz. Zwischen dem Genfer- und Bodensee ist man vom Jahrgang begeistert. Nicht nur die hohen Ochslegrade, sondern auch die kerngesunden Trauben trugen zu einer ausgezeichneten Traubenqualität bei. Unter Fachleuten wurde viel über die tiefen Säurewerte gesprochen. Nach ersten Degustationen zeigen sich die Weine dicht, gleichzeitig mild und geschmeidig. Die Winzer und Önologen haben die Herausforderung des Jahrganges gut gemeistert. Einziger Wermutstropfen dürfte für gewisse Weine die beschränkte Verfügbarkeit sein. In der Bündner Herrschaft wird Daniel Marugg zwar einen konzentrierten, perfekt gereiften Fläscher Pinot-Noir anbieten können, aber die Mengen liegen rund 15% tiefer als letztes Jahr.

 

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