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Bordeaux: «Millésime de connaisseur»
Am 12. Oktober hiess es in Bordeaux’ Lokalzeitung Sud Ouest: «C’est l’été en automne!» Mit bis zu 28°C blieb der herrliche Oktober allen im Bordelais in bester Erinnerung. Der prachtvolle Herbst bewirkte in Kombination mit den eher spät reifenden Traubensorten, dass 2001 schliesslich in Bordeaux als gutes, vielleicht sogar sehr gutes Jahr bezeichnet werden darf. Eine der Hauptaufgaben in diesem Jahr war zweifelsohne die Kontrolle der Erträge, um einen zu reichhaltigen Behang und eine entsprechend schlechte Ausreifung des Traubengutes zu verhindern. Einer der Gründe für die grosse Fruchtbarkeit waren die unüblich hohen Niederschläge zwischen Oktober 2000 und März 2001. So wurden auf Château Latour in diesem Zeitraum Niederschlagsmengen von 76 1 mm gemessen - fast so viel, wie sonst in einem ganzen Jahr. Diese Wasserreserven sorgten denn auch schon zu Beginn für ein starkes Wachstum. Austrieb und Blüte erfolgten im üblichen Rahmen. Das starke Wachstum der Reben setzte sich im Juni fort und erforderte einen gesteigerten Arbeitseinsatz. Monsieur Tesseron von Pontet-Canet beispielsweise wendete 2001 insgesamt doppelt so viele Arbeitsstunden im Rebberg auf wie 1999. Tatsache ist, dass es sich die führenden Châteaux auf Grund der hohen Preise leisten können, sehr sorgfältig im Rebberg zu arbeiten. Die Lese begann vergleichsweise spät, bei vielen erst Anfang Oktober. Diejenigen, die aus Angst vor schlechtem Wetter bereits früher lasen, mussten insbesondere beim Cabernet-Sauvignon härtere Tannine in Kauf nehmen. Bei sorgfältiger Arbeit resultierten dagegen erstaunlich alkoholreiche Weine. Hubert de Boüard von Château Angelus erreichte bei seinen Merlot-Weinen beispielsweise einen natürlichen Alkoholgehalt zwischen 13.8 und 14.4%. Auf Pape-Clément wurde das Streben nach höchstmöglicher Qualität auf die Spitze getrieben. Der Besitzer Bernard Magrez liess in einer publicity-trächtigen Aktion die gesamte Ernte von über 100 Lesehelfern Beere für Beere (!) verlesen. Nur ganze, unversehrte Beeren wurden schliesslich für den «grand vin» verwendet. Eine Analyse der verschiedenen uns zugestellten Ernteberichte ergibt als Fazit, dass das Jahr teilweise sehr alkoholreiche Weine ergab und meistens eine schöne, wenn auch weniger ausgeprägte Reife wie beim 2000er resultierte. Für die Sauternes war 2001 – darf man den verschiedenen euphorischen Kommentaren Glauben schenken – eines der besten Jahre seit langer Zeit.
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Burgund: Überraschend gelungen
Verhaltener gibt man sich im Burgund. Bei einem Besuch November 2001 teilte uns Dominique Lafon unverblümt mit, dass er und viele seiner Winzerkollegen eigentlich überrascht seien, wie erstaunlich schön sich die Weine nun nach der Vergärung präsentierten. Da im Burgund früher gelesen wird, konnten die Winzer nur teilweise vom sehr schönen Spätherbst profitieren. Wie im Bordelais waren der Winter und Teile des Frühjahrs nass und kalt. Glücklicherweise war es ab Anfang Mai warm und schön. Viel Arbeit war nun vonnöten, die starke Wüchsigkeit der Reben im Zaun zu halten. Dabei ist gerade das frühzeitige Ausbrechen überzähliger Triebe (ébourgeonnage) besonders wichtig. Am 2. August schädigt Hagel einen Teil der Appellation Volnay. Davon abgesehen herrscht weitgehend schönes Wetter. Die erste Hälfte des Septembers war kühl und regnerisch und erleichterte den Winzern keineswegs die Arbeit. Die Ernte schliesslich begann etwas verspätet um den 25. September; die Stimmung war gedämpft, glücklicherweise war der August schön und heiss gewesen. Der grosse Arbeitseinsatz im Rebberg lohnte sich. Die seriösen Produzenten konnten gesundes Traubengut lesen, das – wie bei Lafon – teilweise sogar durch zweifache Sönderung nochmals selektioniert wurde. Manche sprechen jedoch von erstaunlicher Finesse und Klarheit im Ausdruck wie etwa beim Jahrgang 1991; die Côte de Nuits dürfte auf Grund der späteren Lese etwas besser ausgefallen sein als die Côte de Beaune.
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Rhônetal: «Très bonne année»
Ende März war die Entwicklung im Rebberg bereits sehr homogen und – verglichen mit anderen Jahrgängen – der Reifeprozess bereits weiter fortgeschritten als üblich. Auch im Monat Mai herrschte eine vorteilhafte Witterung mit milden Temperaturen; Anfang Juni war dann die Blüte beendet. Eine Abkühlung erfolgte Mitte Juni, und Regen im Juli erforderte eine sorgfältige Kontrolle des Rebberges mit entsprechenden Arbeiten (z.B. Auslauben), um die Ausbreitung von Fäulnis zu verhindern. Ein heisser August förderte die rasche Ausreifung der Trauben; die Abkühlung Anfang September unterbrach indes die Reife nicht, sondern verlangsamte lediglich die bis anhin fast stürmische Entwicklung. Die Reife und Konzentration der Trauben schritt kontinuierlich Auguste et Pierre Clape schreiben uns, dass sie um den 25. September herum mit der Ernte begannen und Trauben mit einem natürlichem Alkoholgehalt zwischen l3 und 14% lesen konnten. Die an sich zurückhaltenden vignerons, die selten Superlative verwenden, stufen den Jahrgang 2001 sogar noch höher als den bereits gelungenen 2000er ein. Auch weiter südlich äussert sich Christophe Delorme von der Domaine de la Mordorée begeistert über den Jahrgang und vergleicht ihn bei den Rotweinen mit 1995.
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Languedoc-Roussillon: Superbe
Seit Beginn unserer eigenen weinbäuerlichen Tätigkeit im Jahre 1996 auf dem Mas de Theyron haben wir erfahren, dass es im mediterranen Klima ebenso viel regnet wie beispielsweise im Burgund. Die einzelnen Niederschlagsphasen aber sind meist kurz und intensiv, und die Anzahl Regentage ist deutlich geringer. Entsprechend höher ist die Sonnenscheindauer und so entsteht der Eindruck, in Südfrankreich sei es meist schön und warm. Auch im Jahr 2001 haben wir uns subjektiv getäuscht, denn die exakten Messungen unserer Wetterstation zeigten, dass das Rebjahr 2001 – über alles gesehen – erneut relativ nass und mild war. Bis in den Juli hinein sorgten Gewitter für eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Folge davon war eine kaum zu meisternde, üppige Vegetation. Einerseits begünstigte diese ein erwünschtes Blattwachstum (in den Blättern bilden sich Zucker und Nährstoffe, die anschliessend in die Traubenbeeren wandern), andererseits besteht unter solchen Bedingungen vermehrt die Gefahr von Krankheiten und Schädlingen. Eine adäquate, ertragsbeschränkende Rebpflege ermöglichte es jedoch, die Entwicklung stets im Griff zu behalten. Zur Reduktion der kupferhaltigen bouillie bordelaise benützten wir – mit gutem Ergebnis – erstmals einen Aufguss auf der Basis von vergorenen Getreidekörnern. Die Reben blieben kerngesund. Geholfen dabei hat uns allerdings auch der trockene Nordwind. August war niederschlagsfrei und sehr heiss. Die Rebe reifte prächtig. Die Erntearbeiten begannen am Freitag, 7. September, bei schönstem Wetter. Unser oenologischer Berater, François Serres, rieb sich die Hände und strahlte: «C'est du jamais vu!» Nach einem guten 99er, ein hervorragender 2000er und ein noch besserer 2001er. Trotz zuckersüssen Trauben verlief die Gärung problemlos und ruhig.
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Höchst Erfreuliches berichtet die Familie Forner von Marqués de Cáceres. 2001 soll von geradezu spektakulärer Qualität sein. Bereits im Frühjahr herrschten im Rioja unüblich hohe Temperaturen von bis zu 38°C. Auch der Sommer blieb trocken und in der zweiten Hälfte September, gerade zum richtigen Moment, wirkten einige Niederschläge der drohenden Trockenheit entgegen. Die Ernte fand bei nahezu idealen Bedingungen statt. Die Erntemenge allerdings ist rund einen Viertel kleiner als üblich.
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Der Jahresbeginn in der Toskana war sehr vorteilhaft. Leider beschädigte Frost am Ostersonntag insbesondere die tiefer liegenden Rebberge. Das Frühjahr war recht feucht und brachte entsprechend Probleme mit Pilzkrankheiten. Teilweise verzeichnete man lokale, kleinere Hagelschläge, die jedoch keine bedeutenden Schäden anrichteten. Im August schliesslich herrschten brütende Temperaturen; zeitweise litten die Reben unter der Trockenheit. Auch der September war nass und kalt in der Toskana. Nebel und Feuchtigkeit zwangen dann leider zur Lese, die sich glücklicherweise in den schönen Oktober hinzog. Aus dem Piemont schreibt uns Giovanni Conterno, dass 2001 vermutlich ein exzellentes Jahr ist. Der klimatische Verlauf des Jahres sei geprägt gewesen von wenig Regen und viel Sonne. Wichtig war auch bei ihnen, die Wüchsigkeit der Rebe zu limitieren. Auch Massimo Oddero ist des Lobes voll und erwähnt, dass der Hagel Ende August lediglich die Qualität seines Chardonnay beeinträchtig habe.
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Österreich: Klein aber fein
Willy Bründlmayer beendete seine Weinlese am 16. November, bei der auf Grund von Verrieseln kleinere Erträge als im Jahre 2000 resultierten. Auch in Österreich verlief der September kühl und regnerisch. Der Oktober jedoch war einer der schönsten seit Menschengedenken. Österreichische Zeitungen titelten: «So einen warmen Oktober gab es noch nie! Rekorde aus dem 18. und 19. Jahrhundert werden gebrochen!» Ab Anfang Oktober war das Wetter warm und sonnig und brachte - besonders bei den spätgelesenen Weinen wie etwa dem Käferberg - aussergewöhnlich harmonisch, elegante Weine. Andi Kollwentz im Burgenland berichtet von der Notwendigkeit der sorgfältigen Weinbergsarbeit; auch sie profitierten vom Altweibersommer und konzentrierten die Rotweine, die etwas mehr Saftanteil als üblich hatten durch saignée (vorzeitiges Abziehen eines Teils des Saftes).
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Schweiz: Oktober rettet die Qualität
Waldemar Zahner aus Truttikon im Zürcher Weinland brachte das Jahr prägnant auf den Punkt: «2001 ist gekennzeichnet durch einen mittelmässigen Frühling, einen kurzen, prächtigen, sehr warmen Sommer, einen verregneten September, der die Nerven der Produzenten sehr strapazierte, und einen versöhnlichen Ausklang im Oktober mit sonnigen, überaus milden Erntetagen bis in die ersten Novembertage hinein. Wer Geduld hatte zu warten, wurde durch eine schöne Ernte belohnt.»
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